warum Quattro ?
Quattro B von Qredo de Paulstra x Galoubet
Quattro war für mich von Anfang an eine Offenbarung - eigentlich war ich damals
zur Hengstschau von Böckmann gefahren um mir Wolkentanz II anzusehen - ein
Hengst, dessen Erscheinung auf dem Bundeschampionat mir schlicht einen Schauer
über den Rücken gejagt hatte. Ich spielte mit der Idee meine Fabrice von ihm
decken zu lassen. Doch dann kam Quattro - und warf alle meine Pläne schlicht
über den Haufen...
In Retrospektive muss ich sagen, Quattros Auftritt unter dem Dressursattel war
wohl nicht zuletzt deshalb von so grossem Eindruck auf mich weil dies einer der
wenigen Hengste mit unglaublichem Gangvermögen und Elastizität war, der das
grosse Glück hatte, unter dem Springsattel reifen zu dürfen. Im Gegensatz zu all
seinen ausschließlich dressurmässig geförderten Hengstkollegen vergleichbarer
Qualität ist Quattro niemals "der Schmelz weggeritten" worden - wie oft habe ich
es erlebt dass mich ein Hengst dreijährig faszinierte um ihn dann später von
Jahr zu Jahr stumpfer und glanzloser zu sehen - den Schmelz weggeritten eben.
Weggequetscht. Quattro ist dieses Schicksal erspart geblieben. Aufgrund seines
enormen Springvermögens wurde er seinem Potential entsprechend im Parcours
gefördert und bestritt erfolgreich Grosse Preise von internationalem Format.
Erst nach Ende seiner recht kurzen Laufbahn im Parcours (Zitat eines lieben
Freundes im Hause Böckmann: was der im Deckgeschäft verdienen kann, das kann der
uns im Leben nicht reinspringen!) wurde er in erster Linie dressurmässig
gefördert und seine gewaltigen Bewegungsqualitäten, sein Takt, seine Elastizität
und Dynamik und nicht zuletzt seine natürliche Bergaufbewegung rissen die
Zuschauer zur Begeisterung hin. All dies in einem Alter, als er schon längst
körperlich gereift und in der Blüte seines Lebens stand. Ein Hengst, dem
grossartige Versammlung und Lektionen der hohen Schule nun nichts mehr anhaben
konnten - ein Hengst, der nun einfach glänzt und erstrahlt durch die kadenzierte
Bewegung und der diesen natürlich gegebenen Takt im lockeren bergauf lässig in
allen Lektionen der Versammlung präsentiert - ganz im Gegensatz zu vielen seiner
gangstarken Kollegen, die bereits im jungen Alter schlicht verschlissen werden.
Ich
hatte Quattro damals life erlebt im grossen Preis von Frankfurt, das muss Mitte
der 90er gewesen sein. Damals mochte ich ihn und war hingerissen von seinem
Spungablauf. Fabrice gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht und auf die Idee, dass
das einmal der Hengst zu meiner Stute werden würde, wäre ich damals nie
gekommen. Nachdem ich ihn dann auf der Hengstschau gesehen hatte war klar: ich
musste unbedingt seine Nachzucht sehen. So fuhr ich 1999 zur Fohlenschau um mir
beider Nachzucht anzusehen, die von Wolkentanz II und die von Quattro.
Die Quattrofohlen sprachen für sich: Takt, Mechanik, Galoppade - dazu Riss und
Oberlinie - das war der Hengst den ich zu meiner Fabrice suchte. Umsomehr als
die beiden sich in ihrer ureigensten phänotypischen Erscheinung
hundertprozentig entsprachen: der gleiche abgedrehte kompakte Typ, die selbe
phänomenale Halsung, dazu der enorme Schritt und der unerschütterliche Takt.
Meine Philosophie war: gleiches mit gleichem anpaaren - nur so ist
sichergestellt dass die Fohlen auch idealerweise die Stärken beider Eltern
wiederspiegeln. Im Falle von Quattro kam noch die überragende Galoppade dazu, an
der ich mich eigentlich erst einige Jahre später so wirklich bewusst berauschen
konnte: da hatte ich nämlich auf Ebay ein altes Eylers Hengstvideo ersteigert
auf dem Quattro in einer Springpferdeprüfung zu sehen war in der er mit den
Sprüngen nur so spielte - die Sprünge interessierten mich aber gar nicht -
vielmehr waren es die Galoppsprünge ZWISCHEN den Sprüngen die mir den Atem
raubten: sowas hatte ich bis dato noch nicht gesehen:
was für ein bergauf!
was für ein Durchsprung!
was für ein Galoppade!!!!
Nun war ich damals noch reichlich "grün" hinter den Ohren und einen Florencio,
Real Diamond, Fürst Grandios oder vergleichbare Hengste mit 10er Galoppade gab
es noch nicht - aber ich möchte behaupten dass Quattro sich auch heute noch nur
aufgrund seiner Galoppade locker in diese Armada einreihen liesse: eine zehn von
zehn Punkten allein für die Galoppade....
Um so
grösser war meine Freude als Fabrice' erste Tochter QRage auch tatsächlich in
allem meinem Zuchtziel entsprach: sie war ein veredeltes Double beider Eltern
und hatte von beiden das beste mitbekommen und darüberhinaus eben diese
fantastische Galoppade des Quattro...
Es lag nahe Fabrice nochmals von Quattro decken zu lassen und
QRage II ("Happy") und QRage
III sprechen für sich: Fohlen aus einem Guss mit Vaters Galoppade - schöner
kann man sie nicht malen, besser kann man sie nicht machen.
Darüberhinaus ist Quattro für mich nie ein "Outcross" zu Fabrice gewesen, ganz
im Gegenteil:
Blutanschluss auf den französichen Vollblüter Furioso (über seinen Sohn Furioso
II) ist bei beiden Eltern gegeben - Furioso II findet sich bei Quattro bereits
in 3. Generation, bei Fabrice über Fidermark/Florestan in 4.Generation - und
ganz offensichtlich findet hier zusammen was zusammengehört....
Ganz offensichtlich habe ich damals mit meinem Bauchgefühl für Quattro in
Anpaarung mit Fabrice einfach richtig gelegen: inzwischen gibt es reichlich
sachliche Gründe, die Quattro nicht nur als einen bedeutenden Vererber sondern
darüberhinaus auch als einen der ganz wenigen bewährten Doppelvererber dieser
Tage qualifizieren:
Bis heute verfügt er über 13 gekörte Söhne. Viel bedeutender aber werte ich den
sportlichen Werdegang seiner Kinder:
bereits bei den olympischen Spielen 2000 in Sydney stellte Quattro 2 Söhne im
Parcours - 2004 in Athen sollte er dieses Kunststück wiederholen, darüberhinaus
reiften aber inzwischen auch seine Kinder im Dressurviereck an internationale
Meriten heran:
Neben QuandoQuando (Kristie OutleyNist) reifen mit Quantum Tyme und Quality Time
(Evi Strausser) sowie Much Ado (Caroll Lavell) gleich vier Grand Prix
erfolgreiche Kinder heran, die im Hinblick auf Hong Kong 2008 von sich reden
machen.
Dergleichen produziert Quattro Springpferde der Extraklasse: Olivier Q (Athen
2004/Japan), Quanta Costa und Don Diego (Rolf Göran Bengtson), Quicksilber wurde
2005 Weltmeister der 5-jährigen Springpferde im belgischen Lanaken.
Quattros Pedigree zeichnet sich aus durch einige der grössten
Springpferdelegenden dieser Zeit: Galoubet (Sohn des legendären Alme Z), Furioso,
Uriel - dieses Papier ist im Hinblick auf Leistungsvererbung über alle Zweifel
erhaben. Und doch möchte ich hinzufügen: Quattro als reiner Springpferdevererber
- das sind Perlen vor die Säue...
Warum?
Weil es unter den ganz grossen Dressurvererbern dieser Tage eben nur ganz wenige
gibt die in der Lage sind Takt und Galoppade derart bestechend weiterzugeben wie
Quattro das ganz offensichtlich kann. Beides Eigenschaften -darüber sind wir uns
einig- die HAT ein Pferd, oder es hat sie eben nicht - der winzige Unterschied
eben, der einen grossen Vererber von einem guten Deckhengst unterscheidet...
21. Oktober 2007
Besser
kann ein Hengst seine vielseitige Vererbung nicht unter Beweis stellen:
neben weltmeisterlichen und olympischen Kindern in den beiden "klassischen"
Disziplinen Springen und Dressur krönt Quattro B nun seine Vererbungsleistung
indem er mit Quite Easy (aus einer Mutter von Akitos xx) die junge Weltmeisterin
ausgerechnet in der Königsdisziplin, der Vielseitigkeit, stellt. Mit dem
Warendorfer Sympathieträger Frank Ostholt im Sattel, der darüber hinaus auch
noch als Züchter dieser
Stute verantwortlich zeichnet (Hut ab!), liess die Stute die internationale Konkurrenz
überzeugend hinter sich. Ein Pferd dieser Güteklasse, noch dazu aus einer
Halbblutstute zu zaubern, dazu gehört schon ein bisschen mehr als nur reines
Spring- und Galoppiervermögen. Dressurergebnisse von 30,7 (CIC* Kreuth) oder
45,0 (Lion) sprechen für eine Güteklasse vergleichbar mit Ergebnissen wie wir
sie sonst von einer Bettina Hoy oder Ingrid Klimke im Viereck gewohnt sind. Dazu
die nötige Vorsicht im Parcours, die für eine Nullrunde auch am letzten Tag
einer solchen Prüfung noch nötig sind - das unterscheidet den vielseitigen
springbetonten Spezialisten doch sehr deutlich von dem reinen, oft etwas
"kalten" Buschpferd. Ganz offensichtlich hat Quattro hier das seine zur
Vollendung der mutterseitig gegebenen Sportlergene des Aktios xx hinzugetan -
ein Spezialist in jeder Hinsicht - mit Höhepunkten, ganz ohne Frage, auch in
jeder Hinsicht...
Weshalb ich mich bestätigt sehe Quattro als bewusst vielseitigen Vererber
bereits im Hinblick auf Fabrice gewählt zu haben: ein Hengst der ganz
offensichtlich Galoppade UND Galoppiervermögen (beides zusammen ist nicht
selbstverständlich!) sowie den sicheren vorsichtigen Habitus am Sprung
weiterzugeben weiss.
Ganz besonders freue ich mich über diesen Erfolg deshalb weil ich schon des
längeren einmal mit Quattro als Springvererber an meine Vollblutstute
Ionia xx geliebäugelt habe - mehr halbherzig als
überzeugt, desöfteren kopfschüttelnd gefragt ob das nicht einfach ein "zu viel"
an Blut sei (gibt es das? zu viel an Blut? mehr als ein Vollblüter kann ein
Pferd doch nicht werden - ?) aber auch desöfteren begeistert bestätigt, DAS sei
doch wahrlich mal eine vielversprechende Anpaarungsidee ...
Nun
ist es aber sicher ein grosser Unterschied ob man eine -nach Aspekten der
Warmblutzucht- durchgezogene gangstarke Stute an einen vielseitigen
bewegungsstarken Springhengst anpaart in der Hoffnung er möge Gegebenes in
erster Linie erhalten und vielleicht dazu noch verbessern (Galoppade/Sprung) -
aber etwas ganz anderes eine in der Warmblutzucht gänzlich unbeschriebene
Vollblutstute an ein solches Pferd anzupaaren - die Forderung gleicht einer
Herausforderung, denn hier muss er unbestätigtes Erbgut gänzlich spezialisieren
und das in jeder Hinsicht:
Takt, Galoppade und Sprung.
Kann er das Trabmoment einer Vollblutstute (und Ionia weiss sich durchaus im
Trabe takt- und schwungvoll zu bewegen, die 8 dafür gab es bei der Eintragung
nicht ohne Grund) ebenso erhalten oder sogar noch verbessern wie er es bei einer
dressurbetonten Fidermarktochter im Stande ist zu tun?
Kann er einer gänzlich Galoppade-"freien" Vollblutstute seine dynamische
Bergaufgaloppade unter das Fahrwerk zaubern wie er es bereits drei Mal
überzeugend bei Fabricechens QRage's getan hat?
... und last but not least:
ist er im Stande die Abstriche im Exterieur einer reinen Vollblutstute
auszugleichen in einem Masse das nahe kommt an das Ideal der Anpaarung zu
Fabrice?
es ist eine echte Herausforderung, aber je mehr ich mich mit diesem Gedanken
beschäftige um so mehr reizt er mich...
Bleibt als einziges Handicap festzuhalten dass eine Anpaarung von Ionia an
Quattro ihre erneute Vorstellung zur Eintragung diesmal dann im oldenburgischen
Verband erfordert und ich damit bereits die zweite Stute in meiner kleinen Herde
von Stutbuch zu Stutbuch wandern liesse...
Aber bis zum nächsten Frühjahr ist noch reichlich Zeit die Für's und Wider's zu
erwägen und bis dahin freue ich mich über diese verdiente Krönung des Quattros
nun auch in der Königsdisziplin der Reiterei!
Herzlichen Glückwunsch an Frank Ostholt und seine Quite Easy - den beiden gehört
meine vollste Sympathie und ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute für Ihren
weiteren gemeinsamen sportlichen Werdegang!
Fotos: Rainer Leymann www.4eventing.com
und
www.mondialdulion.com
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