Beatle * 5.3.2017  

 

    Beltain Hann. *1984  
  Belissimo Rheinld. *1999    
    Roxa Rheinld. *1980  
Benicio Hann. *2005      
    Velten Third Hann. *1989  

 

Valencia Hann *1997    
    Wanja Hann * 1992  
       
    Desperados Hann. *2001  
  Duisenberg Hann. *2009    
    Weltluna Hann. * 1995  
Darnell Hann. *2013      
    Fidermark Westf. *1992  
  Fabrice Rheinl. *1992
Leistungsstute FN Abt.C
   
    Feodora Rheinl. *1992  
       
    Hann. Stamm Nr. 367 nach Schridde
Marmor, Riccione, Bogenschütze u.a.
 







 

Mutterstamm:

Mutter Darnell wurde als Absetzer verkauft, verblieb zur Aufzucht auf dem Hof Altepost und wurde 3-jährig gedeckt und selber angeritten.
Darnell hat sich als ausserordentlich rittiges und unkompliziertes Sattelpferd erwiesen, ihre anekdotenreiche Geschichte aus dem letzten Sommer ist hier nachzulesen. 

Grossmutter Fabrice ist Leistungsstute FN Leistungsstutbuch C - Nachkommenerfolge
Fabrice war Prämienfohlen Heinsberg, 4. Juli 1998 - Silbermedaille
SLP Telgte, 13. Juni 2001 - Platz 1, Wertnote 8,39
Einzelnoten: Trab 8,5  Galopp 8,5  Schritt 8,0  Rittigkeit Richter 9,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 8,0
Sommer 2003: diverse sportliche Erfolge in allen Disziplinen, darunter Sieg in der Eignungsprüfung in Telge mit der Wertnote 8,2

Die ausführliche Geschichte zum Ursprung des Stutenstammes der Feodora.
Fabrice ist Mutter zu QRage II ("Happy") von Quattro B, 4-jährig Reitpferdeprüfung gewonnen.
Fabrice ist Mutter zu Awakino QRage von Quattro B, 4-, 5- und 6-jährig Dressurpferdeprüfungen A, L und M gewonnen.
Fabrice ist Mutter zu Brisant von Belissimo, zugelassen zur Hannoveraner Hauptkörung in Verden im Oktober 2012, verkauft nach Spanien. 
Fabrice ist Mutter zu Bravo ("Bunny") von Belissimo, Dressurpferde A, L und M gewonnen, darunter Bundeschampionatssichtung.
Eintragungsnoten in das Hannoversche Hauptstutbuch 4 x die "8".
Bravo stellte mit ihrem Erstling "Daktari" von Don Frederic das Siegerfohlen der hannoverschen Schau in Westfalen, Fröndenberg im Juni 2013.
Fabrice ist Mutter zu La Jeanne von Laudabilis, M gewonnen und mit annähernd 4.000 Euro eine der gewinnsummenreichsten Töchter ihres Vaters allein im Juniorensport.
Fabrice ist Mutter zu Sabary von Sarkozy, Dressurpferde A und L hoch platziert.

Fabrice ist die erste von 5 Vollgeschwistern von Fidermark, die alle mit der Fohlenprämie ausgezeichnet wurden, darunter Auktionsfohlen.
Vollbruder Fair Play*2002, Rheinischer Reitpferdechampion 2005
Vollschwester Fannie Mae*2003, zweifache Hengstmutter, SLP Telgte Platz 2, Wertnote 7,97
Einzelnoten: Trab 8,0  Galopp 8,5  Schritt 7,5  Rittigkeit Richter 8,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 7,5.
Fannie Mae ist Mutter des gekörten Sansibar (Paul Schockemöhle, aktuell Helgstrand Dressage), mehrfach S gewonnen, jüngstes Pferd Preis der Besten 2015.
Fannie Mae ist Mutter des gekörten Rasputin, Westfälische Hauptkörung 2016.
Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Sommertänzer von Samarant, 5-jährig Bundeschampionat Dressurpferde, 6-jährig M-Dressur gewonnen.
Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Snoop Dog von San Amour (Heiner Schiergen), St.Georg Special gewonnen.
Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Sugar Candy von San Amour, Dressurpferde A gewonnen, Dressurpferde L platziert.

Gedanken zur Hengstwahl: warum Benicio?


                                                  

Pünktlich auf den Tag und doch gänzlich unerwartet fohlte Darnell am Sonntagmorgen.
Nudeldick und ausserordentlich schwammig in der Textur (um es höflich auszudrücken), so war Darnell seit langem über die Weide getobt. Dabei lief sie stets derart zu Höchstform auf, dass ich schon orakelte, da sei ausser Speck gar nichts mehr drin in dem Pferdchen... Worauf Stutenfee Ingrid und Tochter Amelie mich jedes Mal herzlich auslachten.
"Die kommt doch jeden Tag sichtbar weiter! Da mach dir mal keine Sorgen!"
"Wär' nicht die erste mit Körbchengrösse D und nur Speck im Bügel ...", lautete darauf stets meine lakonische Antwort.
Gleichwohl, auch Stutenfee Ingrid hatte mit dieser pünktlichen Lieferung nicht gerechnet.
Weshalb Darnell noch gar nicht in der Abfohlbox stand, sondern zufrieden neben Fannie und Butterfly auf der Tenne vor sich hin frass.
Als dann am Sonntagmorgen das Telefon schellte, lautete die Ansage: "Überraschung! Darnell hat gefohlt!", und wir waren alle ziemlich von den Socken.
Da stand er nun, der kleine Hengst. Zutraulich und sowas von kuschelig und einfach herzensgut. Mit Mühe hatten wir die Beiden gerade erstmals nach draussen auf's Paddock gebracht, als Doktor Pape zum Impfen erschien. Es blies ein stürmischer Wind, doch es galt, die wenigen regenfreien Sonnenmomente zu nutzen, damit der Bub an die Luft und ans Laufen kam.
Anders als Butterfly hatte Darnell ihr Fohlen in einem dicken Kuschelpelz geboren. "Der sieht ja aus wie ein kleiner Bär!", rief Ingrid spontan, als der Wind das dicke Puschelfell durcheinander blies.
"Der sieht doch aus wie ein Beatle!", tönte der Doktor, und das war es dann auch.
Beatle sollte er heissen.

                                                  

Vom ersten Tag an hatte der kleine Beatle ein schweres Päckchen zu tragen. Man hat es nunmel nicht leicht, wenn man neben so einem Starlett wie Butterfly geboren wird. Man wird geradezu in den Schatten dieser alles überstrahlenden Halbschwester hinein geboren und da half es auch wenig, wenn Stutenfee Ingrid regelmässig laut mit mir schimpfte, wenn ich andeutete, Beatle stünde im Schatten von Butterfly.
Noch schwerer hat man es, wenn man dazu noch eine Übermutter wie Darnell hat, die gänzlich ausflippte, wenn der kleine Bub überhaupt nur ein paar Schritt von ihrer Seite wich. Erstlingstute eben, und eine sehr besorgte dazu. Weshalb ich die ersten Tage in der Tat nur sehr wenig von Beatle zu sehen bekam. Er klebte geradezu an der Seite seiner Mutter und die war auch nur mit Mühe dazu zu bewegen, mir überhaupt bis zur Heuwiese zu folgen. Und wehe der Bub versuchte sich in ein paar schüchternen Hupfern auf der Wiese um Muttern herum! Horizont erweitern und die eigene keine Welt entdecken, da war die ersten Tage überhaupt nicht dran zu denken. 

                                                  

Doch Hoffnung nahte! Carmen Thiemann hatte ihren Besuch angesagt und ich war überglücklich! Carmen würde sich als versierte Mutterstutenführerin erweisen und  Darnell gut im Griff haben, da war ich sicher. Einmal allein durch den Wald hatte ich es mit meinem frischgebackenen Mutter-Kind-Duo bereits am Donnerstag geschafft. Das lag aber wohl eher daran, dass Darnell selber ganz und gar beeindruckt war von der Waldumgebung und mit grossen Augen zögernd um sich herum blickte. Ähnlich erging es Beatle. Der purzelte im Alter von vier Tagen (wenn andere Fohlen bereits respektlos durch den Wald knattern) beeindruckt um die Bäume und Böschungen und konnte gar nicht begreifen, was das denn nun für eine raschelige Welt war. 

                                                  

Doch wie das so ist:
Fohlen lernen schnell und in diesem Alter ganz besonders.
Als Carmen und ich am Freitagmittag mit Darnell und Beatle über die Heuwiese Richtung Wald zogen, sauste der kleine Hengst bereits ausgelassen um Muttern herum über die Wiese. Doch weil es die Tage zuvor reichlich geregnet hatte rutschte er aus und fiel prompt auf die Nase. "Rutschig" musste Beatle erst noch lernen. Etwas verschüchtert trabt er daraufhin brav neben uns her in den Wald. Und "brav" blieb er zunächst auch in Sichtweite und erkundete die Umgebung im zögerlichen Schrittempo. Gut für Darnell, die einigermassen beruhigt war. Carmen und ich beobachteten den kleinen Kerl eine ganze Weile und fragten uns, wann denn wohl der Schalter umfiel?
Und als hätte er es geahnt flitzte Beatle plötzlich los - mit etwas gebremstem Schaum zunächst, doch schnell hatte er raus, dass der raschelige Waldboden der ideale Untergrund zum Fohlentoben ist. Und so wurde er zusehends mutiger und schlug weitere Haken und Kreise um uns und die Bäume herum und Carmen und mir ging das Herz auf! Wieder einmal! Man konnte zusehen, wie der kleine Hengst mutiger und zuversichtlicher wurde und grossen Spass an dem Auf und Ab durch den Wald und um die Bäume herum hatte - einfach herrlich!
Nun hat der kleine Beatle mit seinen fünf Tagen bei weitem nicht die Kondition, die Butterfly mit ihren zehn Tagen hat. Weshalb der Tank recht bald leer war und ein etwas müder Beatle alsbald zu uns getrottet kam und reichlich aufzutanken hatte. Sehr zufrieden machten wir uns auf den Weg zurück in den Stall. Beatle hat heute reichlich an Erfahrung dazu gewonnen und begonnen, seine Welt zu entdecken.
Danke, Carmen!


12.3.2017

Foal Eventing mit Uli und Flo!

                                                 


                                                 


                                                 


                                                 


                                                 


                                                 


                                                 


2.4.2017

Fohlenfrühling!
Butterfly und Beatle!

                                                 


                                 


                                 
 

16.4.2017

Fuchsjagd am Ostersonntag!

                                                 


                                                 


                                                 


                                                 


                                                 


1. Mai 2017

Butterfly und Beatle - immer wieder schön!

                                                 


                                                 


                                                 
 

 

16.10.2017

Beatle hat heute den Hof Altepost verlassen und ist in seine neue Heimat zur Hengstaufzucht umgezogen.

Mit grosser Freude und noch mehr Überzeugung habe ich meinen charmanten Liebling des diesjährigen Fohlenjahrgangs in Wettringen abgeliefert, wohlwissend, dass er sich dort in allerbester Aufzucht befindet. Mit gut sieben Monaten ist Beatle ein mental gereifter Absetzer, der sich gut im neuen Herdenverband einfinden wird. Seine Attacken auf die inzwischen nicht mehr ganz so sahne-dicke Butterfly wird es künftig nun nicht mehr geben, mit dem kollektiven Auszug der drei Hengstfohlen kehrt Ruhe ein in die Stutenherde auf dem Hof Altepost.
Doch ich bin sicher, Beatle findet reichlich Abwechslung mit neuen Raufkumpanen.  

In den letzten Jahren war ich immer wieder gern zu Gast in Wettringen und wenn sie nicht gerade den Sommer auf den Marschweiden verbrachten, war es mir stets die grösste Freude, meine inzwischen recht zahlreichen Fidermarkenkel und mittlerweile bereits Urenkel dort guter Dinge zu besuchen. Im gesunden Herdenverband in weiten Laufställen mit idealen Auslaufmöglichkeiten.  
Rasputin, Zampano, E.J.Junior, Dubai, und nun also Beatle.
Guter Dinge verkündete ich also heute morgen: "Mathieu, ich bringe dir dein Lieblingspferd!"
Durch den Zigarillo paffte es grinsend zurück: "Das wollen wir hoffen, dass er das mal wird!"

Zwei Tage später ein Anruf beim Hausherrn und die Frage:
"Und? Hast du dir den Beatle mal in Ruhe angesehen?"
"Jau! Hab ich! Und ich sage dir: das w i r d mein Lieblingspferd! Der ist r i c h t i g gut!"
Viel mehr war nicht nötig.
It made my day :-)

Der Beginn von zwei Jahren Hoffnung und der Freude an einem gelungenen Hengstfohlen, das nun alle Chancen bekommt.
Mit Beatle zieht der erste Enkel meiner Fabrice in Wettringen zur Aufzucht ein.
Wer hätte das einmal gedacht, dass ihre Tochter Darnell mit ihrem Erstling gleich ein solches Fohlen zaubert?
Und irgendwie ist Beatle damit unser ganz besonderes Gemeinschaftsprojekt, denn Uli ist mindestens genauso stolz und gespannt auf seinen Werdegang, wie ich es bin. Derweil sehen Uli und Darnell gemeinschaftlich Mutterfreuden entgegen, ein nachwuchsreicher Jahrgang kündigt sich bereits an!       
Liebe Uli, Beatle ist nicht aus der Welt und geteilte Freude ist immer auch doppelte Freude!  


13.4.2019

Beatle ist gelegt - ein Kommentar

Zweijährig wurde Beatle gemeinsam mit allen zur weiteren Hengstvorbereitung in Frage kommenden Kandidaten seines Jahrgangs getüvt. Kommentarlos erhielt ich eines Tages im Frühjahr eine Kopie seines TÜV Protokolls, komplett „ohne Befund“. Das war ein echtes Highlight!

Wer Sportpferde züchtet und als Fohlen verkauft ist dankbar für jede gesundheitliche Referenz der Nachzucht des eigenen Stutenstammes. Ich schien grosses Glück gehabt zu haben mit der Wahl meiner beiden Stammstuten Fannie Mae und Fabrice, deren gereifte Nachzucht -soweit ich den Kontakt zu den späteren Besitzern erhalten konnte- bislang dem Vernehmen nach allesamt „Tüv-unkritisch“ daherkam.

Nun stand zur Diskussion, ob Beatle Hengst bleiben und für die Körung vorbereitet werden sollte.
Eine spannende Entscheidung, die den Zeitgeist unserer modernen Dressurpferdezucht reflektiert.

Sein unkompliziertes aufgeschlossenes Wesen hat Beatle sich bis heute behalten, dazu die immer locker schwingende Bewegung gegeben aus einem entspannten Körper, in meinen Augen das wertvollste Prädikat, durch das ein späteres Reit- und Sportpferd sich auszeichnet:
Locker i s t ein Pferd oder es ist es nicht. Locker „machen“ kann man nicht.

Beatle ist ein funktionales und körperharmonisches Pferd in guter Dreiteilung mit einem stabilen Rücken auf korrektem Fundament, das Hinterbein ist funktional angelegt und hebelt tief und nicht raus, dazu der stets sicher räumende Schritt. Ein komplettes Pferd.
Keine Frage:
Mit Beatle hat Darnell einen in jeder Hinsicht gelungenen Erstling gezaubert, auf den ich sehr stolz bin!

Als Beatle kurz darauf gelegt wurde, hat es mich dennoch nicht überrascht.
Die Erklärung war einfach und nachvollziehbar.
„Als gutes Reitpferd bringt der mehr Geld als auf jeder Körung!“

So ist das.
Vier Benicio-Söhne kamen im letzten Herbst in Westfalen zur Körung, drei davon wurden gekört und zwischen 35.000 und 55.000 Euro auf der Auktion zugeschlagen. Moderate Preise für gekörte Hengste in der heutigen Zeit. Der Hengstmarkt fragt andere Typen nach.

Spektakuläre Pferde mit aufwändigen Bewegungen aus Schulter und Oberarm und den meist positiv korrelierenden Abstrichen dazu im Schritt. Funktionalität im Hinblick auf Haltbarkeit und späteren Sporteinsatz, der Hankenbeuge und tiefes Setzen in der Versammlung fordert, wird nicht bezahlt. Merkmale, die für den Laien und Fohlenzüchter schwer bis gar nicht zu erkennen sind und erst im gereiften Sattelpferd und der weiterführenden Ausbildung zum tragen kommen.

Ausdrücklich nicht mein Zuchtziel und kein Grund zur Enttäuschung. Dennoch hätte ich mich sehr gefreut, mit Beatle den dritten gekörten Sohn meiner Stuten gezüchtet zu haben. Ich hatte durchaus daran zu knabbern.

Sportlich bedeutend und züchterisch wertvoll ist die Referenz eines selbstgezogenen sporterfolgreichen Spross im grossen und grösseren Viereck. Doch der Weg ist weit und hat selbst bei erfolgreicher erster Selektion hauptsächlich mit Verkaufs- und Ausbildungsmanagement zu tun. Nichts davon liegt in der Hand des Züchters..

Sollte ich mein Zuchtziel umstellen und dem Markt folgen?
Die Frage nach dem persönlichen Zuchtziel definiert sich heutzutage als Frage nach dem kurzfristig kommerziellen Fohlenverkauf oder langfristig nicht planbaren Sporterfolg.
Meine Entscheidung habe ich schon vor Jahren getroffen:
Komplette Reitpferde mit drei Grundgangarten und Anspruch auf langfristige Haltbarkeit, gegeben aus einem funktionalen Bewegungsablauf.
„Funktional“ im sportlichen Sinne.
„Dressur“ und Haltbarkeit gingen früher einmal Hand in Hand, so ist die Heeresdienstvorschrift entstanden und aus ihr heraus die klassische Ausbildungsskala.
Das eine bedingt das andere.

Klassische Dressurausbildung soll die Pferde sinnvoll gymnastizieren.
Erfolgreiche Dressurausbildung hatte einmal zum Ziel, die Belastbarkeit des Pferdes langfristig zu unterstützen. Heute ist das anders.

Heute leben wir im Zeitalter des frühen Verschleiss', der meist mit Fesselträger- und Sehnenschäden einhergeht. Prominente Hengstlinien erweitern den gesundheitlichen Bereich um ataktische Ausfälle, schweiftote Pferde und -aktuell diskutiert- Shivering. Die Aufzählung ist wertfrei und kann durchaus gegenseitig bedingt sein.
Pferdekliniken leben gut davon.
Zuchtverbände ganz besonders.
Verkürzte Haltbarkeitszyklen kurbeln den Umsatz an.
Heute spezifische Selektionskriterien bedienen überdimensionierte Pferde mit ebenso überdimensionierten Bewegungen bei gern verziehenen Abstrichen einer dritten Grundgangart, dem Schritt.

Entsprechend haben Zuchtschauen und Körungen eigenständige Selektionskriterien entwickelt, die kuriose Blüten treiben. Auch der Gesundheitsstatus als erstes Selektionskriterium wird dem Züchter in Deutschland bereits hier bewusst vorenthalten.

Junghengste mit spektakulären Bewegungen dominieren den Fohlenmarkt. Häufig noch ungeprüfte Kandidaten machen heute achtzig Prozent aller Dressuranpaarungen aus.
Achtzig Prozent.
Von diesen Junghengsten erreichen nur wenige die nachhaltige sportliche Reife jenseits von Jungpferdeprüfungen oder HLP. Der Fall „Sensation“ ist ein typischer Auswuchs moderner Jungpferdeselektion.
Die meisten Pferde scheiden wegen gesundheitlicher Mängel aus, viele entpuppen sich mit zunehmender Arbeit unter dem Sattel auch nicht unbedingt als interieurbedingt forderbar.
Das eine bedingt auch hier das andere.
Aufwändig angezüchtete Bewegungsabläufe gehen einher mit Spannung, die auch zwischen den Ohren kompensiert werden muss. Die Natur hat einen solchen Mechanismus nicht vorgesehen.
Weshalb „Nerv“ heute ganze Hengstlinien auszeichnet – oder eben nicht.

Der Weg zum Grand Prix Pferd ist lang und extrem selektiv.
95 Prozent unsere Pferde bedienen Amateure und Freizeitreiter.
Kein Makel.
Das Zuchtziel „Sportpferd“ und Amateurpferd muss sich nicht ausschliessen.
Im Gegenteil.
Ein komplettes Pferd mit funktionalen Abläufen sollte eben diese 95 Prozent des Marktes ganz genau so bedienen, wie sportliche Ansprüche auf jedem Niveau.
Sollte.
Wenn das Interieur intakt ist und „Nerv“ dem ebenso wenig im Wege steht wie häufige Klinikbesuche und instabile Konstitution.

So weit war ich mit meinen Grübeleien gekommen.

Ob aus Benicio einmal ein Grand Prix Vererber wird, steht noch aus. Die nachkommenstarken Jahrgänge wachsen gerade erst ins sattelfähige Alter. Als ordentlichen Reitpferdemacher sehe ich den Hengst allemal. Der Grund, weshalb Fannie in diesem Jahr bereits das vierte Mal von Benicio gedeckt wurde und der sympathische Bunting auch mit Darnell und Daktari zum Einsatz kam und so bereits sechs Mal in den letzten drei Jahren in meiner kleinen Hobbyzucht Einzug hielt. Soweit ich das von meinen eigenen Fohlen und Jungpferden beurteilen kann, sind diese allesamt mit einem gesunden Nerv ausgestattet. Erste Voraussetzung auch für einen guten Schritt später unter dem Sattel.

Das Angebot kompletter Reitpferde im guten bis überdurchschnittlichen Segment ist knapp, und das nicht erst seit der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren, die die Deckzahlen und den heutigen Remontebestand nahezu halbiert hat.
Seit Jahren fördert marktorientierte Selektion auf Körungen den spektakulären Junghengsthype und beflügelt damit einen Fohlenmarkt, der zu achtzig Prozent eben solche spektakuläre Fohlen produzieren soll. Das eine bedingt auch hier das andere.
Der Ausschuss ist immens, die nachwachsende Generation zeichnet sich selten durch komplette und funktionale Pferde aus. Die zweifelhafte Qualitätsdichte bei den vier- und fünfjährigen Sportprüfungen im Frühjahr legt hiervon beredtes Zeugnis ab. Weshalb der Markt für qualitätsvolle Sattelpferde sich mittlerweile vollständig vom Zuchtgeschehen abgekoppelt hat.
Nun soll das Abschaffen der Mindestnote die Rettung sein?

Absolut verständlich, wenn der Aufzüchter lieber ein oder zwei Jahre mehr in ein späteres Sattelpferd investiert, das als qualitätsvolles Sportpferd mit entsprechender Ausbildung sehr viel mehr Geld in die Kasse spült als ein potentieller gekörter Hengst, der reell und funktional, aber nicht spektakulär daherkommt. Zwei Jahre nach der Körung ändern sich die Schwerpunkte, denn reelle Pferde sind rar und entsprechend teuer nachgefragt, und das nicht nur vom Profi.

„Als gutes Reitpferd bringt der mehr Geld als auf jeder Körung!“

Konsequent zu Ende gedacht heisst das:
Wir züchten für die Körung eine andere Sorte Pferd als die, die wir später unter dem Sattel nachfragen. Obwohl die Körung per Definition der Selektion von Reit- und Sportpferden zur Zucht dient.
Die Situation ist grotesk.
Wenn die Körung das eigentliche Zuchtziel nicht mehr bedient, mit welchen Hengsten züchten wir künftig die Pferde, die später exakt diesem Zuchtziel entsprechen sollen?

 



 

 


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