La Jeanne  * 25.4.2007   

                                                                                           

                                                              

                                                                                                   Welsh Pageant xx.*66
                                                            Lauries Crusador xx *85
                                                                                                    Square Note xx
*75
                    Laudabilis Hann. *2000
                                                                                                    Warkant Hann. *83
                                                            Wassia Hann. * 90
                                                                                                    Emma Hann. *84

                                                                                                    Florestan Rheinl.. *86
                                                            Fidermark Westf. *92
                                                                                                    Watonga Hann. *85
                    Fabrice Rheinl. *98
                                                                                                    Frühlingsball Westf. *70
                                                            Feodora Rheinl. *92
                                                                                                    Rebecca
Rheinl.*80





            La Jeanne im Alter von zwei Jahren

Mutterstamm:
Mutter Fabrice war Prämienfohlen a.d. Fohlenschau Heinsberg, 4. Juli 1998 - Silbermedaille
SLP Telgte, 13. Juni 2001 - Platz 1, Wertnote 8,39
Einzelnoten: Trab 8,5  Galopp 8,5  Schritt 8,0  Rittigkeit Richter 9,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 8,0
Sommer 2003: diverse sportliche Erfolge in allen Disziplinen, darunter Sieg in der Eignungsprüfung in Telge mit der Wertnote 8,2
Fabrice' Mutter Feodora brachte in Anpaarung mit Pit von Pilot den in Holland erfolgreichen Peter Pan (Springen)
Fabrice ist die erste von 5 Vollgeschwistern von Fidermark, die alle mit der Fohlenprämie ausgezeichnet wurden, darunter Auktionsfohlen
zum Ursprung des Stutenstammes der Fabrice
Vollbruder Fair Play*2002 Rheinischer Reitpferdechampion 2005
Vollschwester Fannie Mae*2003 SLP Telgte Platz 2, Wertnote 7,97
Einzelnoten: Trab 8,0  Galopp 8,5  Schritt 7,5  Rittigkeit Richter 8,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 7,5
 

Gedanken zur Hengstwahl: warum Laudabilis?


... man mag an Schicksal glauben wollen oder nicht: wieder einmal hat Fabrice mit der Geburt ihres Stufohlens ein Timing bewiesen das man einfach nur als schicksalshaft bezeichnen kann. Heute Nacht habe ich mich unter traurigsten Umständen von Wally verabschieden müssen, Fabricechens langjähriger Stallgefährtin seit sie ihr Zuchtstutendasein geniesst. Mit der Geburt von La Jeanne hat Fabrice diesem traurigen Tag dann doch noch einen glücklichen Ausgang bereitet und wieder kann ich nur die Worte einer lieben Freundin zitieren die mir an gleicher Stelle im letzten Jahr schrieb:
wenn irgendwo eine Tür sich schliesst sei sicher, es geht anderswo auch wieder eine Tür dafür auf!
und Fabrice hat sie aufgemacht - weit auf!

La Jeanne war gerade erst ein paar Minuten auf den Beinen als ich sie das erste Mal sah und ich war wirklich einen Moment lang sprachlos:
dieses Fohlen kommt bereits neugeboren daher wie ein altenglischer Stich - schöner und trockener kann man sie nicht modellieren mit diesen bestechenden Partien, einer sagenhaften Schulter wie auch ihre Halbbrüder von Quattro sie haben und die selben unglaublich langen Beine und Fesseln wie Sansibar sie hat - dazu ein Köpfchen wie aus Ebenholz modelliert - so etwas hatte ich nicht erwartet!
Nachdem Fabrice drei Fohlen von Quattro B hatte war dieser Wechsel zu Laudabilis eine echte Herausforderung und ganz sicher kein geringer Maßstab - heute stehe ich vor einem Fohlen das in seinen Hebeln geradezu verblüffend Sansibar gleicht und sollte sie sich auch nur annähernd so bewegen können wie ihr schwarzer Cousin das tut dann darf man sie mit Recht als ausserordentlich bezeichnen....    

   
Ich staune heute schon über die Vererbungskraft meiner beiden Fidermarktöchter, Fannie Mae und Fabrice, so verschieden sie sind, ihre Gene sind nunmal blutidentisch und sie scheinen sie tatsächlich in vielerlei Hinsicht auch
dominant als solche zu vererben - Schultern, Kruppenformation und die lange Fesselung, in der Regel ein Garant für elastische Bewegung - das alles kann kein Zufall sein bei fünf Fohlen von drei verschiedenen Vätern...
Auch sind alle diese Fohlen bereits von Geburt an sehr gross - La Jeanne macht da keine Ausnahme - wir haben wirklich gestaunt als sie sich vor uns aufstellte!
All dies zum Trotz der oft besprochenen "Kleinwüchsigkeit" von Fidermark-Kindern - ganz offensichtlich gibt dieser Stutenstamm Grösse mit - und eine gehörige Portion Selbstbewusstein dazu - die kleine-grosse La Jeanne grummelte sich vom ersten Moment an ihren Weg zu jedem Zweibeiner der sie besucht - sie holt sich ihre Krabbel- und Streicheleinheiten schon jetzt mit der grössten Selbstverständlichkeit ab und geniesst es ganz offensichtlich so sehr wie auch ich - La Jeanne ist einfach ein echter Lichtblick!    
 

... und wieder muss ich mich also bei meiner Fabrice bedanken:
sie hat einfach alles richtig gemacht - in jeder erdenklichen Hinsicht.
 

... und eine kleine Anekdote am Rande trägt La Jeanne bereits mit sich herum:
ihre Geburt drohte kompliziert zu werden weil die Vorderbeine nicht dort lagen wo sie hingehörten - das eine Beinchen lag unterm Bauch, das andere lag hinter dem Ohr. Dank der schnellen Hilfe des erfahrenen Tierarztes wurde das zügig gerichtet so dass Fabrice ihre Tochter dann nach einiger Verzögerung in weniger als einer Minute völlig unkompliziert zur Welt brachte. Und so kommt es dass La Jeanne einseitig ein kleines Schlappöhrchen mit sich herumträgt das immer dann besonders putzig aussieht wenn sie mit erwartungsvoll gespitzten Ohren vor einem steht - da muss man dann herzlich lachen weil sie doch ein klein wenig damit an einen vorwitzigen Osterhasen erinnert :-)      



19. Juni 2007: heute war der grosse Tag für Fabrice und La Jeanne in Meppen anlässlich der Aufnahme ins Hannoversche Haupstutbuch für Fabrice und Brenntermin für La Jeanne - nachdem ich mich entschlossen habe La Jeanne trotz vorhandener Kaufinteressenten und damit ganz entgegen ursprünglicher Absichten als zukünftige Lordsiegelbewahrerin des Mutterstammes meiner Fabrice zu behalten, war klar dass zu dem "heiligen L des Lauries Crusadors" auch das "heilige hannoversche H" auf den Popo gehörte...
Prinzipien sind nunmal Prinzipien und die muss man heiligen :-)
und nachdem ich meine Wally unter so traurigen Umständen verloren habe und mit ihr meine Pläne für eine direkte Anpaarung an Lauries Crusador xx begraben habe war mir plötzlich bewusst dass es eben alles andere als selbstverständlich ist dass eine Stute Jahr für Jahr gesund ein Fohlen zur Welt bringt. Und selbst Fabrice wäre ohne das zügige Eingreifen des Tierarztes sicherlich nicht unbehelligt mit La Jeannes Geburt fertig geworden... Soetwas gibt einfach zu denken. Und da ich wohl zu schätzen weiss was ich an meiner Fabrice und ihren erwiesenen Vererbungsqualitäten als Zuchtstute habe und gute Freunde mir mehrfach zugeredet haben La Jeanne zu behalten ("soetwas verkauft man nicht!"... "die besten gehören in die Zucht!") lag es wirklich nahe La Jeanne zu behalten - wer weiss wann Fabrice das nächste gesunde Stutfohlen dieser Qualität zur Welt bringt (derzeit will sie nichteinmal tragend werden und ich denke ich muss ihr erst wieder mit Arbeit als Sportpferd drohen!). Dazu kam die schlichte Erkenntnis dass meine Ideen und Hoffnungen auf ein selbstgezogenes blutgeprägtes Stutfohlen aus der Linie des Lauries Crusador xx  mitnichten mit Wallys Abschied begraben werden mussten - habe ich doch mit La Jeanne bereits genau dies im Stall!  noch dazu mit dem Vollblutanschluss bereits in der begehrten "zweiten Generation" und unter Umgehung der kritischen F1-Phase... manchmal sieht man wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht...     
und so kam es eben dass Fabrice und La Jeanne heute nach Meppen reisten und natürlich war ich wieder furchtbar aufgeregt im Vorfeld... Svenja fuhr mit als helfende Hand und mentale Stütze aber mentaler Beistand war heute ganz und gar nicht nötig denn La Jeanne, die durchaus als kleines quirliges Teufelchen ihren eigenen Willen (und vor allem UNwillen ...) zur Geltung zu bringen in der Lage ist, hatte ganz offensichtlich hab-mich-lieb-Drops gelutscht - ein derart mustergültiges Fohlen hat man selten erlebt... vielleicht hat Sansibar ihr erzählt wie man sich zu benehmen hat wenn man auf Reisen geht???
Nach zwei Stunden, die neben der kurzen Dreiecksvorstellung (anlässlich derer La Jeanne allerdings sämtliche Register ihres Teufelchen-Daseins zog und mehr durch die Luft flog als dass sie mit ihren langen Beinchen Bodenkontakt hatte...) im wesentlichen mit entspanntem Warten in einer schattigen Scheune von statten gingen, waren Mutter und Kind wieder zügig verladen und ich musste noch auf dem Heimweg still vor mich hin grinsen ob der Kommentare manch eines Pferdefreundes der mich zufrieden mit meinen beiden Weibern auf dem Strohballen in der Scheune sitzen sah und da sagte:
"... na, sie haben aber wirklich zwei brave Pferde! ... und was für ein liebes und artiges Fohlen!" ... und ich darf mit Fug und Recht behaupten:
die die am meisten gestaunt hat ob dieses mustergültig lieben und braven Fohlens war ich selbst... :-)        

kleine La Jeanne: du bist und bleibst wahrlich etwas besonderes!

 

                                                                                      
                                                   La Jeanne im September 2007 - die Präsenz und Ausstrahlung dieser grossen-kleinen Pferdepersönlichkeit ist einfach unübertroffen...


                                                                   
                                                         La Jeanne im September 2009 - gereift und nach wie vor mit einer unübertroffenen Ausstrahlung gesegnet... 

                                                         
28.3.2010

Heute hat La Jeanne ihre Heimat im Stall Altepost verlassen und eine Box neben Silas hier in Münster bezogen. Für Fabrichens Tochter beginnt nun der Ernst des Lebens und ich freue mich darauf, ihr in den nächsten Wochen das kleine Einmaleins eines zukünftigen Sportpferdes beizubringen.
Wie nicht anders zu erwarten hat Silas sich sogleich als grosser Held und Beschützer der jungen unerfahrenen Stute bewiesen - als Handpferd neben so einem charmanten Helden sind die neuen Eindrücke für das junge Pferd doch gleich viel weniger beeindruckend und das Heimweh vergisst man darüber offensichtlich auch ruck zuck. Ich bin gespannt was uns die nächsten Wochen bringen werden!     
                                                

15.3.2010

Seit zwei Wochen ist La Jeanne nun hier in Münster zum anreiten und trabt bereits locker und schwingend unter mir daher - das ganze inmitten einer Reithalle, in der auch andere Pferde im Trab und Galopp ihre Bahnen an uns vorbeiziehen, man glaubt es kaum! Die positive Resonanz und Kommentare meiner Stallkameraden ob dieser wahrlich überzeugenden Entwicklung und Selbstdarstellung meines ganz und gar entspannten jungen Pferdchens sind mir jeden Tag aufs Neue die allergrößte Freude - und doch bin ich wohl selber diejenige, die am allermeisten überrascht ist ob dieser unerhörten Fortschritte.

Zeit für einen Bericht also:

Nachdem ich Fabrice, La Jeanne's Mutter, bereits stets als Handpferd selbst auf der Rennbahn auf meinem Shannon mitgeführt habe war klar, dass ich es mit ihrer Tochter genau so praktizieren würde. Artgerechte geradeaus gerichtete Bewegung, entsprechend dem Naturell des Fluchttieres Pferd, unbeschwert im Rücken bei der konditionellen Arbeit an der Hand und vor allem keine unnatürliche und enge Kreisbahn dem Longieren geschuldet...
La Jeannes Grundausbildung sollte für mich der Versuch sein, ein junges Pferd gänzlich ohne Longe an den Reiter zu gewöhnen und ich war selber mehr als gespannt, wohin uns das wohl führen würde...

Nachdem sie zunächst völlig verschreckt ob all der neuen Eindrücke nicht einmal dazu zu bewegen war, in die neue Box zu gehen, habe ich direkt meinen Silas als Handpferd und Beschützer dazugeholt und seither läuft sie wie geschmiert überall hin - inzwischen auch allein :-)
Vom ersten Tag an lief sie dann als Handpferd am Halfter in unserer Reithalle wie selbstverständlich neben Silas her und wir absolvieren seither ein feines lockeres Trabprogramm lockerflockig zu dritt in der Halle und ich warte sehnsüchtig auf bessere Bodenverhältnisse, so dass wir auch endlich raus können...
Am zweiten Abend nach unserer Handpferdearbeit habe ich ihr versuchsweise eine Decke auf den Rücken gelegt und diese festgegurtet um ihre Reaktion zu testen - sie reagierte überhaupt nicht darauf. Die selbe Nicht-Reaktion folgte dem Austausch der Decke durch den Sattel - selbst den konnte ich angurten ohne dass sie auch nur mit dem Öhrchen wackelte... ich war begeistert ob ihrer Gelassenheit!
Freund Tönne kommentierte das ganze dann mit den Worten:
"Ich weiß gar nicht was du hast? Das ist doch selbstverständlich, dass die da kein Problem mit hat, die ist seit ihrer Fohlenzeit in der Hand und hat eben Vertrauen - so muss das auch sein und nicht anders!"
Breites Grinsen auf meinem Gesicht und es juckte mir gewaltig in den Fingern den nächsten Schritt zu wagen...

Am nächsten Morgen in aller Frühe dann also in ebensolcher Ruhe mit Pferdeflüsterer Tönne den Sattel drauf und die Sabine hinterher - Tönne hatte das Pferdchen am Kopf zum beflüstern, das war aber eigentlich gar nicht nötig. La Jeanne war Miss Supercool. Ich saß oben auf meinem Pferdchen, das gänzlich unbeeindruckt war ob der gesamten Prozedur des darüberlegens, draufkletterns und aufrichten im Sattel an sich.
Weltklasse!
Tönne hat uns dann ein paar mal die Stallgasse rauf und runter geführt und ich konnte mich gänzlich entspannt im Sattel bewegen (das kenn ich von anderen Pferden deutlich anders...), La Jeanne war die Ruhe selbst, ganz und gar entspannt und mehr daran interessiert, an den Möhrensäcken, die vereinzelt vor den Boxen standen, nicht gänzlich leerausgehend vorbei zu müssen. Tönne hatte dafür das allergrößte Verständnis, liess Ross&Reiter einfach auf der Stallgasse stehn' und nestelte den nächstbesten Sack auf - ich musste laut lachen... La Jeanne war begeistert.
In Hochstimmung bin ich an dem Morgen dann ins Büro gefahren:
das erste Mal gänzlich unbeschwert auf dem eigenen "Fohlen" sitzen - es sind dann eben doch die kleinen Dinge, die den grossen Unterschied machen :-)))

Tagsdrauf (La Jeanne's 4. Tag) haben wir dann unseren ersten gemeinsamen "Ritt" in der Reithalle absolviert, immer noch alles am Stallhalfter, im Stall aufgesessen und Tönne hat uns dann nach draussen über den Hof und in die Halle geführt.
Alles bestens.
La Jeanne marschierte zufrieden neben Tönne daher und zeigte mehr Interesse an den anderen Rössern, die da um uns rumgaloppierten, als an der Sabine auf dem Rücken. Die Hochstimmung habe ich an dem Abend dann zur Abwechslung mit nach Hause genommen.

Jetzt wurde es dann wohl Zeit, dass ich in den Tiefen meines Kellers mal nach einer Trense für das Pferdchen suchte, ich hatte ja selber nicht damit gerechnet, dass das alles so flott vonstatten gehen würde und ich konnte den guten Tönne nun nicht ewig darum bitten uns zu führen. Spätestens beim ersten Traben wäre es dann wohl etwas anstrengend für ihn geworden... :-)

Meine Idee war, sie neben dem Führpferd in der Halle im Schritt und Trab zu reiten, einfach geradeaus nebenher so wie sie es kennt und ohne störende Einwirkung durch treiben, ziehen und zerren an einer Longe ob der unnatürlichen Kreisbahn. All das passiert eben zwangsläufig, wenn das erste Mal ein Reiter draufsitzt, und genau das wollte ich nicht.

Eine Woche lang hat La Jeanne dann Zeit gehabt sich an die Trense im Maul zu gewöhnen, die Zeit sollte sie gern haben denn die Trense war in der Tat das einzige, was sie zunächst mit Kopfschlagen quittierte. Sie stand daher stets gesattelt und aufgetrenst neben Silas beim putzen und zum führen, das Stallhalfter immer unter der Trense, denn geführt wird am Strick und nicht am Zügel..
Wenn abends noch jemand zum führen im Stall war habe ich mich draufgesetzt und mich auf der Stallgasse rumführen lassen.
Jetzt sollte es also weiter gehen....
Das grössere Problem war jemanden zu finden, der Silas reitet und La Jeanne mit mir auf dem Rücken als Handpferd nebenher nimmt, damit wir eben auch mal traben können.
Zitat Tönne:
"Sabine, du brauchst einfach jemanden mit richtig Arsch in der Hose für sowas..."
Ich musste herzlich lachen, besser hätte ich es auch nicht formulieren können :-)
Fairerweise muss ich hinzufügen, dass Silas mitunter recht toxisch unter dem Sattel ist und es von daher schon nicht jedermanns Sache ist, den Bub überhaupt zu reiten.  
Unser Olli hat sich dann gern bereit erklärt, diese Rolle zu übernehmen und ich hatte vor, beide Pferde gesattelt fertig zu machen und schon mal die gesattelte La Jeanne als Handpferd mit Silas in der Halle zu bewegen bis Olli kam, damit wir beide nur noch umsitzen mussten...

Nun war sie seit 12 Tagen da und es hat nie Probleme gegeben als Handpferd.
Ich habe sie allerdings auch noch nie g e s a t t e l t als Handpferd dabei gehabt...
Blond blond blond...
Ich saß also vergnügt auf meinem Silas, La Jeanne trabte nebenher, die Tür ging auf, Olli kam herein, in dem Moment explodierte die Welt um mich herum::
La Jeanne tobte, bockte, jagte vor und hinter Silas her soweit es der Strick zuliess, Silas war völlig konsterniert, bockte ebenfalls los und ich sass da oben drauf und dachte die Welt geht unter...
Ebenso konsterniert stand Olli in der Tür und besah sich das Schauspiel und es war klar was er dachte:
"Die muss ja völlig verrückt sein sich da draufsetzten zu wollen..."
Zwei weitere Pferde in der Halle scheuten wüst im Galopp von ganz oben nach unten in die Ecke, eines der Reiterlein suchte vorsichtshalber gleich sein Heil in der Flucht nach draussen ...

Kurze Bockpause, gerade genug Zeit für mich, mich wieder im Sattel zurecht zu setzen, da ging es wieder los - ich hörte ein leises "Flap" (und hatte immer noch nicht begriffen was los war) und La Jeanne bockt wieder um uns herum, Silas mit.
Nun muss ich allerdings einmal eine Lanze brechen für meinen "Toxic Silas", der gemessen an seinem sonstigen Explosionspotential hier wirklich "handzahm" bockte und sich trotz aller Aufregung sehr bemühte, mir das Leben nicht all zu schwer zu machen - er hätte die Sache durchaus zu einem bösen Ende führen können wenn er selber durchgegangen wäre, liess sich aber an einer Zügelfaust einigermassen regulieren und das Kunststück bestand darin, die junge Stute in stricknähe zu behalten ohne dass sie in ihrer Panik (die ich immer noch nicht ergründet hatte) weiter um uns herum jagte und mich dabei aus dem Sattel zog oder aber gänzlich auf und davon ging (die Option loszulassen hatte ich ja noch, wollte es aber nicht zulassen...)

Dann stand sie wieder und eine Stimme sagte:
"Die hat sich einfach nur erschrocken weil die Bügel runtergerutscht sind und ihr vor den Bauch geschlagen haben...."
Da war mir alles klar.
Wie dumm muss man sein, nicht drüber nachzudenken ein Handpferd, das den Sattel nur mit Reiter kennt, gesattelt mitzuführen und keine Gedanken daran zu verschwenden, dass die Bügel zwangsläufig irgendwann einmal runterrutschen und das Pferd erschrecken?

Ich hab mich schwarz geärgert über meine eigenen Dummheit.
Olli nahm mir die Stute dann erstmal aus der Hand und führte sie im Schritt - alles gut. Nerven hat sie.
Ob ich denn nun doch noch aufsteigen wollte?
Jetzt erst recht!
Also Sabine runter von Silas, Olli erklärt wie er das Stutchen neben Silas zu arrangieren hatte damit ich aufsteigen konnte, und ich wollte schon raufklettern, da kam der bedachte Einwurf von Olli:
"Sabine, aber Zügel solltest du doch wohl haben?"
Ich guckte ihn völlig verdutzt an und dachte es darf nicht wahr sein...
sagte ich schon dass ich blond bin?
...
na klar habe ich dem Pferd eine passende Trense zusammengebaut, aber da stets das Halfter zum führen darunter war hat nie die Notwendigkeit bestanden auch Zügel daranzuhängen... Tatsächlich hatte ich auch gar keine da...
Ich bin ja so schlau :-)
Letztendlich musste dann die alte Kandare im Schrank dran glauben, Kandarenzügel abgebaut und los.
Blond.
...
Armer Olli.

Jetzt konnte ja eigentlich nicht mehr viel passieren, nachdem ich nun bereits alles verbockt hatte, was man in so einem Stadium mit dem jungen Pferd verbocken konnte...

Olli hat mir also auf La Jeanne geholfen, alles gut.
Verwirrter Blick von unten - Olli ratlos.
"Was soll ich denn jetzt machen?
Mit Strick in der Hand kann ich schlecht auf Silas aufsitzen..."
Der Bub hatte recht.
Ich sag "Olli, wir improvisieren und das muss jetzt einfach funktionieren! Gib mir den Strick in die Hand, die wird hoffentlich einfach stehen bleiben bis du oben bist und dann nimmst du dir den Strick aus meiner Hand..."
Gesagt, getan.
Silas stand etwa drei, vier Meter von La Jeanne und mir entfernt und Olli meinte "na dann komm mal und gib mir den strick!"
Jetzt musste ich grinsen.
Ich sag' "Olli, ich sitz auf einem absolut steuerlosen Pferd! Die kennt weder komm, noch geh, noch rechts, noch links. Die steht hier nur festgemauert in der Erden....und das ist auch gut so...!"
Olli verwirrt.
"Was soll ich tun?"
Ich sag' "du musst Silas rückwärts neben uns einparken und dann nimmst du dir den Strick."
Braver Silas.
Wir stehen nebeneinander und Olli hat La Jeanne am Strick.
Ich halte die Zügel in der Hand und mache gar nichts (genau so hatte ich mir das vorgestellt - ein Reiter, der das junge Pferd in absolut gar keiner Weise stört)
Olli fragt "...und jetzt?"
Ich sag "Jetzt reitest du los und wenn wir Glück haben läuft sie einfach mit, so wie sie es kennt."
Gesagt, getan.
Silas marschiert los. La Jeanne auch. Sabine macht gar nichts und lässt sich entspannt tragen, Zügel leicht in der Hand, La Jeanne gelassen, es gibt sogar auf Anhieb eine gänzlich störungsfreie leichte Anlehnung - perfekt!
Die beiden Pferde marschieren in trauter Eintracht nebeneinander her, so wie sie es kennen, ich bin begeistert. Auch Olli entspannt merklich, eine Hand am Zügel, eine Hand am Strick, und singt den Pferdchen etwas vor.
Auf meine Frage, wen von beiden er da eigentlich zu beruhigen gedenkt, meint er nach kurzem nachdenken:
"Beide!"
Ich muss lachen.
Herrlich!

Drei, vier Runden und es ist klar, La Jeanne ist völlig sie selbst neben Silas und empfindet das ganze in keiner Weise aufregend oder störend. Sie läuft einfach mit und ist entspannt.
Also antraben.
Auf den Moment hab ich zwei Wochen (12 Tage...) gewartet.
Olli beschliesst, aus der zweiten Ecke der kurzen Seite sei es gut, dann habe das junge Pferdchen freien Blick nach geradeaus.
Verwirrt fällt ihm ein:
"Wie machen wir das denn?
Was muss ich tun?"

Ich sag' "Olli, du schnalzt einfach mal mit der Zunge und trabst los und wenn wir Glück haben trabt sie sofort mit ...!"
Olli stellt keine weiteren Fragen, todesmutig schnalzt er, Silas trabt los und La Jeanne ist sofort auf flankenhöhe dabei.
Weltklasse!
Ich muss nicht treiben, nicht quetschen, nicht klammern - ich lass mich einfach nur entspannt mit ganz lockerem Bein und Sitz im leichttraben mitnehmen, leichte Zügelverbindung und sonst gar nichts. Sie trabt einfach locker neben Silas geradeaus daher, so wie sie es die letzten Tage ohne Sattel auch immer getan hat.
Ein grossartiges Gefühl auf einem ganz und gar locker schwingenden Pferd und ich bin überglücklich!
Wir wechseln die Hand, jetzt ist La Jeanne aussen und muss mehr traben wenn sie durch die Ecken um Silas herum muss und ich habe nichts zum treiben (wie auch? "treiben" kennt sie ja auch gar nicht) aber es ist alles kein Problem. Sie nimmt die Wendungen aussen rum von selbst etwas flotter.
Zwei, drei Runden rechts herum im Trabe, zwei, drei Runden links herum, fertig.
Entspannter Schritt, entspannte La Jeanne, überglückliche Sabine und ein tatsächlich ganz und gar verblüffter Olli. Dass das so klappt hätte er ja doch nicht gedacht (kein Wunder - nach DEM Einstand als er 'rein kam...): kein ziehen, kein zerren, kein klemmen, es läuft einfach alles von selbst - so hatte ich mir das vorgestellt.
"Was 'ne coole Art ein junges Pferd anzureiten!"
Ich bin megastolz als Olli das sagt und auch gleich bereit ist, das selbe Programm am nächsten Tag nochmal mit uns zu absolvieren und dann, ja dann hat La Jeanne in zwei Wochen eigentlich schon mehr gelernt als ich mir je zu träumen gewagt hätte.
Einfach schön!

Am Tag darauf haben wir das selbe Programm zunächst ohne Bügel (keiner soll behaupten ich wüsste nicht aus Fehlern zu lernen...) mit der gesattelten La Jeanne im Trabe neben Silas praktiziert bis Olli kam, immerhin gab es diesmal bereits auch Zügel an der Trense...
Bügel anbringen, aufsteigen, Olli nahm den Strick in die Hand und los ging's. Wieder trabte La Jeanne völlig locker und entspannt neben Silas unter mir daher und es war eine Freude, dieses schwingende junge Pferd unter mir zu spüren. 

Im Stall gab es darauf eine Menge Anerkennung für La Jeanne zu hören und tatsächlich haben wir mit dieser Art und Weise des Anreitens gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
Den Herdentrieb ausnutzend ist Silas an ihrer Seite von unschätzbarem Wert:
während andere junge Pferde bei den ersten longenfreien Ritten noch erschrocken auf entgegenkommenden Bahnverkehr reagieren und verständlicherweise vor allem möglichen scheuen, lernt La Jeanne an Silas' Seite Hindernisse, Deckentürme, Trubel und Reithallenverkehr als selbstverständlich kennen, sie guckt interessiert um sich herum aber marschiert stets unbeeindruckt neben ihrem grossen Kollegen weiter. Wo Silas läuft, da läuft auch La Jeanne. Scheuen hat es bis heute nicht gegeben und ich hoffe es bleibt so - besser geht es einfach nicht! 


                                       
21.3.2010

Ein paar Tage sind ins Land gegangen und da ich nach Feierabend abends keinen passenden "Führpferdereiter" hatte haben wir es langsam angehen lassen - es drängt nicht und tatsächlich spielt es auch keine Rolle, wieviel Tage "Pause" dazwischen sind:
gelernt ist gelernt und wenn es mit Ruhe und Vertrauen gelernt ist kann man auch nach einer Woche dort weitermachen, wo man zuvor aufgehört hat.
Das einzige was mir wirklich wichtig ist:
regelmässiger Weidegang damit der mentale Ausgleich gegeben ist und kein aufgestauter "Stress" die Weiterarbeit schwerer macht als nötig. Da La Jeanne nach wie vor nicht longiert wird ist "reiten" stets auf dem "frischen" Pferd angesagt - wenn sie morgens mit Silas ein paar Stunden draussen war weiss ich, dass ich abends auf ein ausgeglichenes Pferd klettern kann.
Das heute allgemein übliche "ablongieren" (insbesondere nach Boxenhaft) dürfte in neun von zehn Fällen wohl eher dem Kopf des (ängstlichen?) Beritts geschuldet sein, ein an sich ausgeglichenes Pferd fordert das sicher nicht.
Tatsächlich möchte ich auch lieber auf ein physisch "frisches" Pferd steigen, denn man sollte die Anstrengung des ungewohnten Beritts (und sei es nur für zehn Minuten) nicht unterschätzen, insbesondere die Last, die man dem jungen und unfertigen Skelett des Pferdes durch das zusätzliche Reitergewicht aufbürdet. Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch keine tragfähigen Muskeln im Rücken des Pferdes.
Nicht umsonst lautet die alte "Kavalleristen" Lehre:
ein 3-jährges Pferde gehört höchstens dreimal die Woche unter den Sattel, ein 4-jähriges Pferd viermal, ein 5-jähriges Pferd fünfmal - es sind eben Remonten.
Die alten Lehren haben so viel Wahres, denke ich, und es ist einfach schade wie sehr diese angemessenen Erfahrungen in Vergessenheit geraten.
Und ich hoffe sehr ich kann jedem, der irgendwann einmal ein junges Pferd anzureiten hat, mit meinem Bericht die Zuversicht vermitteln, dass es wirklich nicht nötig ist mehr als das zu tun - oft liegt das Problem im Kopf des Reiters und es herrscht die Ansicht vor, den jungen "Übermut" regelmässig "abzukochen" damit er bloss nicht bockt.
Er bockt nicht.
Solange er Vertrauen hat und mental ausgeglichen ist.
Physis und Psyche werden heutzutage nur all zu oft in einen Topf geworfen und nicht unterschieden. Wie es jemand so treffend beschrieb:
[Vom Longenzirkel] "zentrifugierte" Pferde und Griffelbeinlahmheiten sind die Folge....

La Jeanne ist der lebende Beweis dafür, dass es anders geht und die hat wahrlich einen gewissen "Ruf" zu verteidigen aus ihrer Zeit als Aufzuchtpferd in der Herde im Hinblick auf griffig spritzig und mitunter auch einfach mal frech - ich kenne meine kleine Ziege vom ersten Tag an und weiss, dass sie vor Selbstbewusstsein nur so strotzt. Und das sollte man ihr auch lassen. Persönlichkeitsverhalten im Umgang und in der Herde hat absolut nichts, aber auch gar nichts mit Lehrverhalten unter dem Sattel zu tun!

Freitag abend also die gesattelte La Jeanne erstmals draussen als Handpferd mitgeführt.
eine halbe Stunde über die weitläufige Anlage geritten und ihr alles mögliche gezeigt - sie guckte interessiert und lief braven neben uns daher. Mein Vertrauen in Silas ist unerschütterlich, ihres offensichtlich auch.
Brenzlig wurde es erstmals auf dem Springplatz neben der Halle, dort sind unsere bunten Ständer und Fänge en masse geparkt und die sind "laut" bunt und schrill - La Jeanne spannte merklich an und drehte erstmals so auf, dass lebst Silas nervig wurde. Nicht witzig.
Also das angespannte Duo abgedreht, mir selber vor den Kopf geschlagen (ungewohnten Eindrücken nähert man sich von der ANDEREN Seite, mit dem Führpferd zum "Eindruck", so dass das Handpferd die Dinge aus beschützter Distanz von der anderen Seite wahrnimmt) - ein paar Mal um den Dressurplatz herum und dann den Springplatz erneut, aber diesmal von der andern Seite betreten, Silas auf der Seite zu den bunten Fängen. Siehe da: La Jeanne wurde zwar immer noch deutlich grösser aber blieb gelassen an der Hand und keine Spur mehr von Nerven. Silas hatte inzwischen bereits vergessen dass da überhaupt was war und schnurrte gelassen daher. Zweimal in dieser Richtung, dann Handwechsel und die Fänge an Jeannis Seite - siehe da, kein Problem mehr, etwas aufgeregter Guck aber bei der nächsten Runde gab es auch das nicht mehr. Alles gut. Das hätten wir auch gleich so haben können, aber manchmal denkt man eben doch nicht genügend mit...
Inzwischen war es dunkel geworden, wir sind in die Halle marschiert und Assi, unser Helferlein, kam dazu: umsitzen. Zu viert zügig im Schritt losreiten, La Jeanne marschiert unter dem Reiter so selbstverständlich wie ohne. Das grösste Problem war nun erstmals die kurze Gerte - da sie keine treibenden Hilfen kennt und ich bei Stricklosigkeit irgendetwas tun muss um ihr "vorwärts" zu signalisieren, ist ein kurzes Stöckchen das natürlichste Hilfsmittel und jedem dauerhaften prokeln mit den Absätzen vorzuziehen. Das stumpft nur ab.

Ich habe sachten Gerteneinsatz an der Schulter geübt als wir noch am Strick waren und das war auch gut so - statt nach vorn zu marschieren und ihr Heil in der vermeintlichen "Flucht" zu suchen (was die natürliche Fluchtreaktion wäre: Vorwärtsimpuls) kletterte Jeannie Silas auf die Schulter - soviel zum Thema Vertrauen in den grossen Beschützer und das durcheinander der Instinkte... ich war mir sicher der "Fluchtinstinkt" sei stärker ausgeprägt. Offensichtlich hat La Jeanne aber inzwischen so ein bisschen was von der Konrad Lorenzschen Gänseprägung auf den Gummistiefel angenommen und ihr geprägter Gummistiefel ist Silas...
Also Handwechsel, La Jeanne nach aussen, damit sie in den Ecken natürlichen Anlass hat das Tempo zu beschleunigen um auf Silas' Schulterhöhe zu bleiben, siehe da, nach zwei Runden und vier kurzen Seiten war das Thema "Stöckchen" geklärt und sie hat begriffen dass "Stöckchen" vorwärts bedeutet.
Zeit den Strick abzumachen.
Wir bummeln entspannt nebeneinander im Schritt dahin und traben zur nächsten langen Seite an - Stöckchen aus der Ecke, Silas trabt eh schon vorweg, alles ist gut. Ein kleiner Ruck durchs Pferd exakt bis auf Schulterhöhe Silas', das Tempo hält sie, wenn sie zurückfällt leicht Stöckchen, ssssst ist sie da. Kein klemmen, kein bocken - alles ganz gelassen.
Wir traben deutlich länger als sonst, vier fünf Runden mit regelmässigem Handwechsel und ich habe eine leichte Anlehnung und ein sicheres Gefühl. Gut so. Schrittpause. Ein weiterer schwarzbrauner grosser Wallach kommt dazu, wir bummeln zu dritt dahin, La Jeanne in der Mitte gerahmt von den beiden schwarzbraunen Buben, wir sind am schwatzen und vergessen was wir hier eigentlich tun (so soll es sein: entspannt!), der andere Wallach biegt ab, Jeannie hinterher. Ich musste laut lachen. Plötzlich fand ich mich hinter einem fremden Pferd her und es war soooo selbstverständlich... irgendwann stellt Jeannie fest, dass das doch wohl der falsche Kerl ist und lässt sich verwirrt zurückfallen, leichtes Stöckchen, zupp zupp, unsere erste halbe Runde ganz allein im Trabe durch die Halle.
Wer hätte das gedacht?
Wieder entspanntes schwatzen, schrittreiten neben Silas, noch ein paar runden Trab, selbstverständlich inzwischen auch mit grösserer Distanz zum "Gummistiefel", wieder Schrittschwatz und irgendwann "aufmarschieren" auf der Mittellinie nach guter alter Sitte, perfekt. Ich rutsch von meinem Pferdchen das völlig entspannt da steht - einfach schön.

Morgen das ganze nochmal (freiwillige Helfer muss man sich zunutze machen solange sie da sind!) und wenn es nicht regnet gleich nach draussen - die weitere Umgebung kennt sie ja nun. Das Problem wird sein dem Helferlein klar zu machen dass "draussen" aus Sicht des jungen Pferdes das natürlichste von der Welt ist, Halle dagegen nicht. (zielloses im Kreis reiten hat die Natur nunmal nicht vorgesehen)
Die Vorurteile (und damit die latenten "Probleme") sind nunmal stets im Kopf des Menschen gelagert, aus Pferdesicht stellt sich die Welt sehr viel natürlicher dar als wir sie uns mitunter machen... und dabei kann es doch so einfach sein...

Zwei Tage später:

Der Wettergott meinte es nicht gut mit uns, dennoch haben wir heute trotz "Land unter!" unseren ersten "draussen" Ritt mit aufsteigen vor dem Stall und freiem losreiten hinter Silas und Assi her absolviert, über das Hofgelände, um die Weiden und die Anlage herum, alles gut. Um auch ein paar Trabrunden zu reiten sind wir dann gemeinsam in die Halle marschiert und auch das lief rund. Dennoch reite ich ein junges Pferd lieber draussen im Freien weil dann einfach mehr natürlicher Zug auf der Uhr ist als beim unnatürlichen (weil eben aus sicht des Pferdes "ziellosen") im Kreis reiten und man schlicht nicht treiben muss, Stöckchen hin oder her. Es läuft dann nach "vorn" von selbst wenn es "nach vorn" als solches erkennt - geradeaus eben mit einem Ziel vor Augen. Weshalb ich sehnsüchtig darauf warte, dass der Boden wieder trocken wird und wir uns draussen ein bisschen Kondition ertraben können...

... und damit ist das Kapitel "anreiten einmal anders" dann jetzt wohl abgeschlossen, und dabei ist der Monat noch nicht einmal rum ... Ganze drei Wochen ist La Jeanne heute hier und ich kann es gar nicht glauben, mit welcher positiven Eigendynamik die Dinge sich in dieser kurzen Zeit entwickelt haben! Alles weitere ist nun Routine unter dem Sattel zu sammeln und den Weg ins vorwärts-abwärts zu erarbeiten. Hoffen wir, dass es so weiter geht!
 

27.3.2010

Dachte ich noch vor ein paar Tagen nun sei das Kapitel "anreiten einmal anders" beendet, so bescherte uns bereits der Samstag erneut einen mentalen Höhenflug in Form unseres ersten Galopps. Nachdem Helferlein Assi wieder fröhlich zugesagt hatte, auf Silas vorweg zu reiten, machten wir uns am nachmittag auf den Weg.
Aufsteigen ist mittlerweile schon fast zur Routine geworden, auch wenn wir uns noch immer eines Fest- und Gegenhalters dazu bedienen.
Und Silas steht stets neben La Jeanne dabei - wobei ich mittlerweile nicht mehr zu differenzieren vermag, ob das nun überhaupt noch La Jeannes oder aber inzwischen nur noch meinem eigenen mentalen Anspruch dient ...
Los gings, quer über den Hof, durch unser kleines Waldstück, den Feldweg entlang über die Eisenbahngleise und auf unser Rennbahnfeld. Am halblangen Zügel marschiert La Jeanne inzwischen nicht mehr hinter sondern neben und meist sogar vor Silas daher und es ist schon verblüffend mit welchem Selbstbewusstsein dieses Pferdchen gesegnet ist. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein ganz und gar natürlich erarbeitetes Selbstverständnis, das diese junge Pferdedame unter dem Sattel im wahrsten Sinne des Wortes nach vorn bringt....
Todesmutig marschiert La Jeanne inzwischen auch über die Eisenbahngleise, nachdem wir am Tag zuvor (da hatte ich sie lediglich als Handpferd erstmals mit auf der Rennbahn) zwar gut gemeinsam hinüber kamen (Silas schritt, La Jeanne sprang darüber...) und zu dritt entspannt unsere erste gemeinsame Runde über das Feld spazierten, auf dem Rückweg verliess sie dann aber der Mut vor ihrer eigenen Courage und nein, nein, nein, es war überhaupt gar nicht dran zu denken diese Dinger nocheinmal zu überqueren.... es war tatsächlich das erste Mal in unserer Dreisamkeit, dass meine Gelassenheit auf eine harte Probe gestellt wurde (Alternativen zur Gleisüberquerung hätte es auch gar nicht gegeben) und letztendlich musste ich absteigen und La Jeanne ein paar mal entlang der Gleise hin- u herführen und austricksen, bis sie sich zu dem entscheidenden Schritt zurück überreden liess.
Braver Silas, der das alles so mitmacht - der fliessende Übergang von "ToxicSilas" zu "SuperSilas" überrascht mich immer wieder aufs neue - zu meiner grössten Freude!

Heute zögerte La Jeanne dann zwar angesichts der Gleise erst einmal kurz, aber nachdem Silas bereits hinüber war hob sie doch zögernd erst das eine und dann die anderen Beinchen hinüber - spürbar ein kleines bisschen empört, ob dieser Zumutung, ein winziger "Satz" über das hintere Gleis, als wolle sie es von sich abschütteln und ein kurzes verärgertes Kopfschütteln auf der anderen Seite - dann war sie auch schon wieder neben Silas angekommen und betrachtete neugierig forsch ihre Umgebung. Tatsächlich bin ich mir nicht einmal bewusst, irgendetwas getan zu haben - leichtes treiben, ja, aber erkennt sie Schenkelhilfen als solches schon?
Grosse Freude auf meiner Seite, dieses "Hindernis" so unproblematisch überwunden zu haben und ich war mir sicher:
zurück wird es dabei keine Probleme mehr geben. Dazu hat sie das ganze diesmal viel zu bewusst angegangen und verarbeitet.

Assi und ich strahlten um die Wette und irgendwann meinte Assi spontan,"na los, dann lass uns mal antraben!" sprach's, und trabte davon. Jeannie hinterher, ich musste nur meine Zügel sortieren zu einer leichten Anlehnung, sie kaute zufrieden, schäumte sogar und trabte gleichmässig unter mir dahin - so schön!
Zwei ganz und gar zufriedene Pferde und eine ebenso begeisterte Assi, die sich pudelwohl auf Silas fühlte. Nach ein paar Minuten lockeren Trabens wollte ich nun endlich, endlich einmal den Galopp versuchen - tatsächlich ist La Jeanne seit sie hier ist noch nicht ein einziges Mal in der Arbeit galoppiert, weder als Handpferd, und unter dem Sattel ohnenhin nicht.
Tatsächlich sass ich heute aber auch erst das dritte oder vierte Mal frei reitend auf dem Pferd, und unser erstes angaloppieren wollte ich frei nach vorn auf geradeausgerichteter Bahn üben, hier draussen also und nirgendwo anders. Im "Kreis" wird doch meistens nur quetschen, klemmen und (oft) hauen daraus - mitnichten aber ein frei sich ausbalancierendes Pferd. Den Stress wollte ich uns beiden ersparen.
"Heh Assi, wenn du dich traust [von wegen ToxicSilas ... ], dann galoppier' mal an!"
Assi traute sich, keine Frage, Silas gab weiter den Musterknaben und galoppierte locker flockig vorweg. Ruck zuck hatten die beiden gut zehn Meter Vorsprung und La Jeanne war merklich verblüfft - das konnte sie nun nicht so wirklich begreifen, dass ihr Kumpel plötzlich so weit vorn war, was sollte sie bloss tun? Dass sie selber auch über einen dritten Gang verfügte, auf die Idee kam sie gar nicht.
Ich habe also sacht mit der Gerte an die Schulter geklopft und geschnalzt, es ratterte merklich zwischen den beiden braunen Öhrchen vor mir, kurzes Überlegen, begreifen, dann fiel sie sofort in Galopp - zögernd erst, als sei es ihr selber nicht ganz geheuer was sie da eigentlich tat...
Ich habe mich ganz still im leichten Sitz in den Sattel "gekniet" (hatte mir extra einen SuperLuxusleichten Springsattel mit wenig Pauschen und dichtestem Pferdekontakt für unser kleines Experiment geliehen) und war darum bemüht mich nach Möglichkeit gar nicht zu bewegen und sie ungestört einfach nur unter mir machen lassen - zwei drei Galoppsprünge und es war deutlich zu spüren:
ihre Zuversicht wuchs umgekehrt proportional zu der Distanz, die sich jetzt zu Silas' Kruppe wieder verkürzte - "Hei, was für ne feine Sache!" signalisierte mir Jeannies Ohrenspiel:
müheloser Dreitakt mit Schwebephase und dabei macht man auch noch Boden gut - wer hätte das gedacht!
Auf Silas' Höhe angekommen hatte ich deutlich den Eindruck, dass ihr Galopp unterm Sattel richtig gut gefiel - kein Wunder, war La Jeanne doch von Geburt an mit einem überragenden Galopp gesegnet und ich war selber am aller meisten gespannt darauf, dieses Galoppierwunder endlich einmal unter mir erleben zu können....
Mittlerweile galoppierten wir lässig neben Silas daher, leichter Sitz, leichte Zügelverbindung und kauen - Rhythmus, Leichtigkeit, Balance und die helle Freude obenauf! Der einzige, der das nicht so sah, war nun ausgerechnet Silas - kultiviertes Galoppieren nach vorn ist eine Sache - sich dabei aber von einem anderen Pferd überholen lassen eine ganz andere... Tatsächlich kennt er das auch gar nicht, bin ich doch grundsätzlich allein zum Galoppiertraining mit ihm im Gelände unterwegs und mir wohl bewusst ob seines Ehrgeizes... Und also geriet Assi tatsächlich ein wenig unter Zugzwang - im wahrsten Sinne des Wortes:
Silas wollte davonziehen ... Das sollte nun interessant werden, ob ich La Jeanne in ihrem neu gefunden Galoppiereifer auch wieder bremsen konnte?
Leichtes Halsklopfen, Hand auflegen und Stimme: brrrt, brrt - sofortige Reaktion, Jeannie liess sich auf Silas' Schulterhöhe zurückfallen, Silas war zufrieden
(jedenfalls macht er Assi nicht mehr das Leben schwer) und wir galoppierten stahlend nebeneinander dahin - ich war durch und durch begeistert! Ein erneutes "Brrrt" und leichter Zügeldruck brachte unser Duo zurück in einen lockeren Trab, fröhlich schnaubende Pferde und eine La Jeanne, die Satteldasein in einer neuen Dimension kennengelernt hatte:
von diesem Moment an galoppierte sie nun stets von sich aus an, wenn Silas ihr im Trabe mal ein paar Schritt voraus war - sie hatte aufs deutlichste begriffen:
Galoppieren macht mühelos Meter!
Ich war hellauf begeistert!
Dass unser erster Galoppversuch so unkompliziert funktionieren würde und gleichzeitig von einem solchen Spaßfaktor gesegnet sein sollte, hätte ich nie erwartet - berauschend schön!
Es sind eben stets die kleinen Dinge im Leben...

Blieb der Rückweg über die Gleise und eine La Jeanne, die zwar noch guckte, aber nicht mehr zögerte - ein weiteres kleines grosses Highlight.
Der Lernfaktor dieses unseres Ausrittes für das junge Pferd dürfte ziemlich dicht am erreichbaren Optimum gelegen haben und Assi und ich kamen in allerbester Laune frölich schwatzend wieder am Stall an. Ich habe keinen Zweifel, dass es den Pferden ähnlich ging und muss mich nun sehr zurückhalten, nicht gleich am nächsten Tag den selben Ritt erneut zu unternehmen - drei Mal die Woche unter dem Sattel reicht völlig aus und ein paar reine Weidetage hat La Jeanne sich jetzt aufrichtig verdient.

Und ich sitze hier und staune erneut wie mühelos und entspannt unser Konzept des Anreitens mit Führpferd für alle Beteiligten funktioniert - lernen kann tatsächlich Freude bereiten - jeden Tag auf's neue...


2. April 2010

Heute war's wieder so weit, mit Assi und den beiden Rackern raus ins Gelände und auf's Rennbahnfeld, herrliches Wetter und bester Laune!
Eine richtig schöne Trabrunde mit einer schwungvollen La Jeanne, die diesmal vom Fleck weg sofort das Köpfchen runternahm und in schöner Anlehnung fein kaute - super!
Dann Galopp, bestens, sie schnurrt hinter Silas daher und ich knie lässig im leichten Sitz im Pferd. IM Pferd - dachte ich.... aber wie das so ist wenn man sich seiner Sache zu sicher ist - ich ruf Assi zu sie soll nicht durchparieren in der Wendung sondern weitergaloppieren, das klappt schon...
Tatsächlich hab ich die Rechnung ohne La Jeanne gemacht die sich aus irgendeinem Grund gerade diese Ecke auserkoren hat zum Kopf zwischen die Beine nehmen und losbuckeln - mit allem hatte ich gerechnet aber nicht damit...
Sie hatte mich sofort vor dem Sattel und damit war's vorbei - Sabine im hohen Bogen den Abgang gemacht und den Maikäfer am Boden gegeben. La Jeanne trabt lässig ins Feld, guckt sich nach Silas um und ist irgendwie verblüfft... der kommt ja gar nicht hinterher? Allein im Feld war dann auch nicht so wirklich witzig. Immerhin weiss ich jetzt, dass sie nicht blindlings davonrennt, sollte sie mir mal von der Fahne gehen bei unserem Handpferdereiten wobei sie mittlerweile auch flott neben Silas galoppiert.
Assi macht besorgt kehrt und sieht nach dem Rechten, alles gut.
La Jeanne tritt in den Zügel und der reisst natürlich durch.
Immerhin stand sie jetzt ruhig im Feld und ich konnte sie gleich wieder einfangen.
Zügel zusammenknoten und wieder aufsteigen.

Das erste mal aufsteigen ganz ohne fremde Hilfe und das Pferd steht wie ein Baum - man staunt wozu runterfallen alles gut ist.
Assi, die gute Seele, nimmt das sachliche Management in die Hand und ordnet an:
"Das müssen wir jetzt aber gleich nochmal probieren damit das Pferd sich das nicht merkt! aber diesmal nur geradeaus und nicht durch die Kurve!"
Jawohl, Assi!
Wir traben sofort wieder los und die beiden schnurren daher - La Jeanne mittlerweile im flotten Trab meist vor Silas und der bereitet Assi keinerlei Sorgen bezüglich Heftigkeit und Ehrgeiz. Manchmal staunt man über den Musterknaben.

Und wie das so ist:
Man sollte den Tag einfach nicht vor dem Abend loben....
Die nächste lange Seite haben wir uns auserkoren zum erneuten angaloppieren (das klappt mittlerweile wie am Schnürchen), die Sonne strahlt uns ins Gesicht, ein frischer Wind dazu - und Silas bockt.
Man glaubt es kaum, er tut tatsächlich einen Bocksprung!
"Hei!" sagt La Jeanne, "DAS kenn ich jetzt auch!"
Sprachs und nimmt den Kopf zwischen die Beine - Sabine stirbt ein zweites Mal vor Schönheit, gerät wieder vor den Sattel - keine Chance. Der Abgang kommt diesmal mit Ansage, immerhin hatte ich noch Zeit mir den exakten Zeitpunkt dazu selber auszuwählen und darauf zu achten nicht vor sondern seitlich neben das Pferd zu fallen, die Zügel fest in der Hand.
Maikäfer, die zweite.
La Jeanne steht neben mir und guckt sich die Sabine von oben an.
Und zuckt nicht mit dem Ohr.
Aasi ist besorgt, schätzt die Situation aber gleich richtig ein und sagt das einzig angemessene:
"Das müssen wir jetzt aber gleich nochmal probieren damit das Pferd sich das nicht merkt! ..."
Jawohl, Assi!
Die Frage drängt sich auf, ob das Pferd sich das nicht schon längst gemerkt HAT?
Aber wo sie recht hat hat sie recht und mittlerweile beisst mich auch der Ehrgeiz - DAS geht ja gar nicht.... vier Wochen passiert nix und dann gleich zweimal sowas?

Also wieder ohne fremde Hilfe aufs Pferd geklettert (die steht wie ein Baum - sagte ich das schon?) und zügig losgetrabt - mittlerweile haben wir Routine darin.
Die nächste lange Seite liegt vor uns und Assi galoppiert an - La Jeanne auch und Sabine denkt tatsächlich mal mit - etwas mehr Körperspannung, die Zügel kürzer und bewusst den flausigen kleinen Kopf mal etwas höher eingestellt - gar kein Problem, Jeannie kaut und galoppiert dahin. Assi gibt das Kommando zum durchparieren (das ist die Kurve unseres ersten Abgangs, vielleicht schaffen wir ja jetzt mal ne ganze Runde ohne Sturz?) und im Trab durch die Wendung - alles bestens. Neu angaloppieren, La Jeanne zieht an Silas vorbei und galoppiert dahin - ich hab sogar Gelegenheit mich nach Assi umzusehen und zu gucken ob sie Silas halten kann, jetzt, wo La Jeanne vorweg galoppiert.
Sie kann.
Ganz zweifelsohne hat Silas beschlossen von an nur noch den Musterknaben zu geben.
Vor der nächsten Wendung wieder durchparieren zum Trab, alles bestens, und kaum auf der neuen Geraden tönt Assi:
"Sabine, wir galoppieren jetzt aber nochmal an!"
Klar galoppieren wir an, die Pferde warten nur darauf.
In diese Richtung bläst uns der Wind richtig entgegen und die Sträucher und Bäume an der Seite pusten uns ein huschiges Lied dazu - das perfekte Arrangement für übermütige Pferde und solche, die nach einem Grund zum bocken suchen... . ich lauere nur darauf dass wieder was passiert und siehe da:
es passiert nichts.
Einfach mal ein wenig Konzentration im Sattel und nicht vor Schönheit sterben sondern den Jungspund unterm Sattel konsequent in der Hand haben - geht doch!

Ich glaube Assi hat auf vier oder fünf Galopptouren bestanden, "damit das auch wirklich Routine wird!" - so besorgt. So schön zu wissen.
Ich freu mich über eine Aassi die richtig mitdenkt und bin einfach froh dass ich sie dabei habe - genau die richtige Einstellung zum Malheur.
Wir spazieren gelassen zurück, am Stall steht Ralf bereit mit der Kamera, wir wollten endlich mal Fotos machen.
Ganz grosser Bahnhof, Karfreitag war Aufräum- und Saubermachdienst angesagt und alle waren gekommen, Stall Niehues, Stall Klimke, es war rappelvoll auf dem Hof und sah aus wie auf einer Baustelle - entsprechend zugeparkt und eng wars auch.
3/4 der Leute hatten La Jeanne noch nie unterm Sattel gesehen, die meisten kannten sie gar nicht und entsprechend neugierig wurden wir beäugt als wir ankamen und uns durch die diversen Autos, Anhänger, Weidemanns, Schubkarren und Kinderwagen quetschten - La Jeanne supercool, man sollte nicht meinen dass die noch keine drei Jahre alt ist.
Richtig gut vor dieser Kulisse kam dann meine Bitte an Ralf, er möge noch warten mit dem Fotoapparat, ich müsse erst neue Zügel holen und ausserdem bräuchte ich ne saubere Jacke....
"Neue Zügel?
Wieso denn das?
Bist du etwa runtergefallen?" (Er steht etwa 20 Meter weit weg, wir rufen uns gegen den Wind laut zu...)
... und die Menge ist beeindruckt ob meiner Antwort:
"nicht einmal, Ralf, nein, ZWEI Mal..."
Grosses Staunen, La Jeanne wird beäugt wie das siebte Weltwunder.
Dieses gelassene Bild von einem Pferd sollte Sabine gleich zweimal abgeworfen haben?
Ich war versucht ihr das zarte Hälschen umzudrehen ...

Zack, zack, zurück auf's Pferd (sagte ich schon dass sie mittlerweile auch ohne fremde Hilfe beim aufsteigen steht wie ein Baum?), rauf auf den grossen Dressurplatz und zügig unsere Runden getrabt - lässig.
... und wieso wundert es mich nicht, dass irgendwann Assi's Stimme tönt:
"Sabine, jetzt müssen wir aber gleich nochmal galoppieren damit das auch Routine wird!"
Widerspruch zwecklos, Silas galoppiert schon, La Jeanne hinterher.
Überhaupt kein Problem, sie galoppiert wieder an Silas vorbei, wir geben in der Tat eine Bilderbuchvorstellung - immerhin, der Kulisse angemessen (so viele Zuschauer hatten wir noch nie und manch einer mag auf den dritten Maikäfer gewartet haben...)
Zum Abschluss noch ne Runde im Schritt um die Wiesen und dann war's auch gut - fast eine ganze Stunde, so lange war La Jeanne noch nie unter dem Sattel.
Aber Assi ist schlau:
"Sabine, du musst doch die PAUSEN dabei rausrechen!"
...
Assi, es ist einfach schön, dass es dich gibt... :-)

 

 



10.6.2010

Stutenleistungsprüfung in Engter und die Erkenntnis, dass eine SLP und eine SLP wahrlich nicht das selbe sind ...

La Jeanne hat heute in Engter ihre Stutenleistungsprüfung erfolgreich absolviert - für die Rittigkeit gab es sowohl von den Richtern als auch vom Fremdreiter 2 x die "8"! 
Mein Dank gilt Sebastian Langehanenberg, der Jeannie in den letzten Wochen wahrlich grossartig unter dem Sattel gefördert hat - ich war einmal mehr begeistert als ich dieses hochnoble Pferdchen vor mir sah!
Allerdings begreife ich nun auch was Seb meinte, als er mir vor ein paar Wochen auf meine Bitte, Jeannie zur SLP im Hannoverschen vorzubereiten, sagte:
"Sabine, das ist nicht wie in Westfalen. Wenn du in Hannover zur Stutenleistungsprüfung antrittst muss das Pferd wirklich schon gut geritten und weit gefördert sein.  ..."
Recht hat er.
Die Ansprüche sind tatsächlich gänzlich andere:
Komplette Dressuraufgaben mit Schlangenlinien durch die ganze Bahn, aus dem Trab halten, auf den Punkt angaloppieren, aussitzen, zulegen etc
Und das ist nur die Rittigkeitsüberprüfung.
Vorweg wird bereits eine Abteilungsaufgabe nur zur Überprüfung der Grundgangarten geritten, die Pferde haben also bereits zwei Aufgaben hintereinander absolviert bevor es dann zum Fremdreitertest kommt - was war das nur für ein Spaziergang seinerzeit mit Fabrice und Fannie Mae in Westfalen im Vergleich dazu ... 

Ich war sehr angetan von dem souveränen und bestechend korrekten Auftritt meiner La Jeanne unter Seb und gleichermassen enttäuscht ob der Noten:
7er und 7,5er Noten im Dressurbereich werden ihr wahrlich nicht gerecht, da hatte ich doch mehr erwartet. Unterm Strich lag sie damit wohl noch im guten Mittelfeld von annähernd 40 Pferden, es hagelte durchaus auch 5en und 6en, ganz wie auf Turnieren in Dressurprüfungen üblich. Mit Noten im Bereich von 7 bis 7,5 steht man dort bereits recht weit vorn... (Letztendlich also doch eine "angemessenere" Bewertung als anderswo? Tiefes Grübeln meinerseits...)

Auch beim Freispringen durfte ich dazu lernen.
Wer in Hannover für das Freispringen Noten im 8er-Bereich (wie Fabrice sie seinerzeit bekam) erzielen möchte, für den ist nicht bei einem höflichen Meterchen oder etwas darüber bereits Schluss. Das gilt auch für Pferde mit Dressurabstammung - oder auch gerade solchen.
Jetzt ist mir klar wieso die Richter mich nach den "Normaldurchgängen" (die mich bereits reizten aus La Jeanne höchstselbst ein Springpferd zu machen...!) fragten, ob sie weitermachen und höher bauen sollten. Ich war tatsächlich verwirrt ob dieser Frage (auch so etwas kenne ich nicht aus Westfalen) und habe dankend abgelehnt weil ich einhellig mit Seb der Meinung war, dass das junge Pferd bereits am geschätzten Meterzwanzig hinreichend Souveranität, Einstellung und Fähigkeit bewiesen hatte.
Dass es dafür dann am Ende nur eine 6 gab hat mich sehr, sehr nachdenklich gemacht.     

Eine SLP und eine SLP sind eben wahrlich nicht das selbe.


16.6.2010    

aktuelle Fotos von La Jeanne!

                      

                                                                                La Jeanne steht zum Verkauf. Tel. 0174 331 8136

                                                                  

26.7.2010

Das Verbandsmagazin "Der Hannoveraner" erwähnt La Jeanne unter der Rubrik "Feldprüfungen, Durchschnitt Grundgangarten und Rittigkeit 7,5 und besser" in seiner aktuellen Ausgabe August 2010.
... und ich dachte Jeannie's SLP-Ergebnis sei eigentlich nicht erwähnenswert, dabei hat sie ihre anspruchsvolle Prüfung im oberen Drittel abgeschlossen.
Man lernt doch stetig dazu:
Eine SLP und eine SLP sind eben wahrlich nicht das selbe.

 
Fotoalbum La Jeanne

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