Ladybird * 09.4.2017

 

    Londonderry Hann.*1995
  Londontime Hann.*2001  
    Wieneria Hann.*1996
Libertad Hann.*2012    
    San Remo Hann.*2001
  Shelbyville Hann.*2006  
    Wabehna Hann.*2001
     
    Beltain Hann. *1984
  Belissimo Rheinld. *1999  
    Roxa Rheinld. * 1980
Bravo Hann.*2009    
    Fidermark Westf. *1992
  Fabrice Rheinld. *98  
  Leistungsstute FN Abt.C
Nachkommenerfolge
Feodora Rheinl. *92
     
    Hann. Stamm Nr. 367 nach Schridde
Riccione, Marmor, Bogenschütze u.a.


                           

                     


 

Mutterstamm:
Bravo (Bunny): 5 und 6-jährig Dressurpferdeprüfungen A, L und M gewonnen, darunter Bundeschampionatssichtung.
Eintragungsnoten in das Hannoversche Hauptstutbuch Gesamtnote "8".
Bravo ist Vollschwester zu Brisant, zugelassen zur Hannoveraner Hauptkörung in Verden im Oktober 2012 und verkauft nach Spanien. 
Bravo ist Halbschwester zu QRage II ("Happy") von Quattro B, 4-jährig Reitpferdeprüfung gewonnen.
Bravo ist Halbschwester zu Awakino QRage von Quattro B,  4-, 5- und 6-jährig Dressurpferdeprüfungen A, L und M gewonnen.
Bravo ist Halbschwester zu La Jeanne von Laudabilis, Juniorenpferd, mehrfach M-Dres. gewonnen. Eine der gewinnsummenreichsten Töchter ihres Vaters.
Bravo ist Halbschwester zu Sabary, 5-jährig Dressurpferde A und L hoch platziert.

Grossmutter Fabrice: FN Leistungsstutbuch C -Nachzuchterfolge-
Prämienfohlen a.d. Fohlenschau Heinsberg, 4. Juli 1998 - Silbermedaille
SLP Telgte, 13. Juni 2001 - Platz 1, Wertnote 8,39
Einzelnoten: Trab 8,5  Galopp 8,5  Schritt 8,0  Rittigkeit Richter 9,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 8,0
Sommer 2003: diverse sportliche Erfolge in allen Disziplinen, darunter Sieg in der Eignungsprüfung in Telge mit der Wertnote 8,2
Fabrice ist die erste von 5 Vollgeschwistern von Fidermark, die alle mit der Fohlenprämie ausgezeichnet wurden, darunter Auktionsfohlen.

Vollbruder Fair Play*2002 Rheinischer Reitpferdechampion 2005
Vollschwester Fannie Mae*2003 SLP Telgte Platz 2, Wertnote 7,97
Einzelnoten: Trab 8,0  Galopp 8,5  Schritt 7,5  Rittigkeit Richter 8,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 7,5.
Fannie Mae ist Mutter des gekörten Hengstes Sansibar (aktuell FN Besitz Andreas Helgstrand) mehrfach S gewonnen, jüngstes Pferd Preis der Besten 2015.
Fannie Mae ist Mutter des gekörten Hengstes Rasputin (Westfälische Hauptkörung 2016)
Vollschwester "Miss Feeny" (Auktionsfohlen) ist Mutter zu Fantastic Sommertänzer von Samarant, 5-jrg Bundeschampionat Dressurpferde, 6-jrg M-Drs gewonnen Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Snoop Dog von San Amour (Heiner Schiergen), St.Georg Special gewonnen.
Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Sugar Candy von San Amour, Dressurpferde A gewonnen, Dressurpferde L platziert.
Detaillierte Informationen zum Ursprung und weitergehenden Stutenstamm finden sich auf der Seite Stutenstamm, Hann. Stamm Nr. 367 nach Schridde

Nachzucht Bravo:
2013 Daktari von Don Frederic, Siegerfohlen der Stutenschau in Fröndenberg, als Absetzer verkauft, 2016 angeritten und gedeckt.
Nach zwei Jahren sportlicher Karriere wurde Bravo 2016 planmässig in die Zucht überstellt.


Gedanken zur Hengstwahl: warum Libertad?


                                        
                                                                                                                                                       Fotos im Alter von fünf Tagen

                                        


                                        

Am Sonntagabend schellte spät das Telefon und es sprach Amelie:
"Das Fohlen ist da!"
Bunny hatte ein rotes Mädchen geboren, fünf  Tage vor der Zeit, doch es kam durchaus mit Ansage. Bunny legte ein ähnliches Verhalten an den Tag wie ihre Mutter Fabrice, die am Abend vor dem Abfohlen grundsätzlich kopfschlagend vor dem Zaun stand und um Einlass bat. Dazu gab es Harztropfen und Stutenfee Ingrid war sicher: "Heute Abend ist es soweit!"
Grinsend konstatierte darauf Stutenvater Gregor: "Das sagst du schon seit zwei Tagen!"
Immer wieder schön!

Doch diesmal sollte meine Stutenfee recht behalten.
Ganz und gar unkompliziert flutschte das Fohlen heraus, "keine zwei Minuten!", und erst im Nachgang schwitzte Bunny heftig, doch auch das sollte sich bald wieder legen. Überhaupt steht Bunny diese Geburt gut zu Gesicht: sie sieht auch nach dem Abfohlen einfach fantastisch aus! Gleichwohhl war diese Trächtigkeit überaus ungewöhnlich und durchaus bemerkenswert verlaufen. Schon seit dem Spätsommer hatten die Hormone Bunny diesmal völlig auf den Kopf gestellt. Sie kam im spanischen Schritt daher wie ein Deckhengst und tönte quietschend und laut über die Wiese, jede Stute provozierend, die sich ihr in den Weg stellte. Am liebsten jedoch nahm sie es mit Piri auf, die eine deutlich höhere Stellung in der Herde inne hat als Bunny. Kaum jedoch hatte Bunny Piri gesichtet stolzierte sie laut quiekend und tönend auf sie zu und gab hengstiges Imponiergehabe zum Besten - jeden Tag, ein gutes halbes Jahr lang.
Stutenfee Ingird orakelte: "Die steckt so voll von Testosteron, das muss ein Hengstfohlen werden!"
Meine Theorie war: "Die hat schon soviel Testosteron für sich selbst vereinnahmt, da bleibt für das Fohlen nichts mehr übrig. Das muss ein Stutfohlen werden!"
Ob Bunny's bemerkenswerte hormonelle Auswüchse tatsächlich Einfluss auf die Geschlechtsbildung des Fohlens hatten (oder umgekehrt), das wissen die Götter. In diesem Falle jedoch sollte ich recht behalten.       

Meine Büroplanung wurde also erneut auf den Kopf gestellt, doch Bunny hatte sich die Osterwoche ausgesucht und so konnte ich täglich mittags und nach Feierabend zwei ausgiebige Fohlenspaziergänge in den Wald arrangieren. Eine sehr besorgte Bunny versetzte mich dabei regelmässig in Schweiss. Übermässig ausgeprägter Mutterinstinkt und die ersten schüchternen Versuche des jungen Fohlens, die eigene kleine Welt zu erkunden, vertragen sich nicht besonders gut. Bunny verhielt sich ähnlich wie ihre Schwester Darnell, die es in den ersten Tagen auch kaum geduldet hatte, dass Beatle sich einige Meter von ihr weg bewegte. Weshalb Beatle und Ladybird ein paar Tage länger benötigt haben als Butterfly, um sich gänzlich zu entfalten. Dann allerdings mit Karacho!

Stutenfee Ingrid war vom ersten Tag an sehr angetan von Ladybird. Das Fohlen hatte einfach alles:
Linien, passig proportionierte Partien und schön wie ein englischer Stich. Ob sie sich auch bewegen konnte, sollten wir erst später erfahren.
Ein paar Tage später war uns dann allen klar:
Sie kann!
Nachdem Bunny mit ihrem Erstling Daktari vor vier Jahren bereits ein überdurchschnittliches Fohlen geboren hat, nährt Ladybird nun die Hoffnung, dass es sich bei dieser Vererbung nicht um Zufall handelt und ich in Bunny die würdige Nachfolgerin ihrer Mutter Fabrice zur weiteren Pflege des Stutenstammes gefunden habe.   


                                        


                                        


                                        

Spontan und unverhofft kam Freundin Pit gleich am ersten Nachmittag dazu, so entstanden diese ersten Aufnahmen meines Mutter-Kind Duos im zarten Alter von 18 Stunden. Danke, Piddie - wieder einmal!

                                        

Dank der Ostertage gab es dann auch eine Menge hilfreicher Besucher, die allesamt die Mutterstuten zum Waldgang führten und mir freie Hand für die Kamera liessen. Danke, Christine, Hans, Andrea und Alexandra! Es war ein herrliches fuchsbuntes Osterfohlenfest!  

Ein markantes Datum war zweifelsohne Karfreitag, als Ladybrid ganz fünf Tage alt war. Christine war mitgekommen und kam bereits gut mit Bunny zurecht, die von Tag zu Tag etwas gelassener wurde. Zum ungeahnten Höhepunkt jedoch gestaltete sich unser Waldgang mit Butterfly und Beatle, die eine echte Fuchsjagd um die Bäume veranstalteten - soetwas hatte ich in vier Jahren Foal Eventing noch nicht erlebt!
Doch auch Ladybird dreht inzwischen richtig auf und hat den Wald als ihre Spielwiese entdeckt. Nur mit der Kondition, da hapert es noch im Alter von fünf Tagen. Nach jeder ausgedehnten Runde kommt sie zu Bunny geflogen und tankt auf - gut für Bunny, die zwar deutlich gelassener geworden ist, jedoch nach wie vor unruhig wird, wenn Ladybird um die Bäume fliegt und dabei ausser Sicht gerät. 


                                         


                                         


                                         


                                         


Ostersonntag, 16.4.2017 - Ladybird im Alter von einer Woche


                                         


                                         


                                         


                                         


                                         


                                         


                                          


                                          


6.5.2017

                                          



                                                               

14.10.2017


                                     



                          



                



22.4.2020

Vor einer Woche ist die dreijährige Ladybird in Münster eingezogen, Silas war von Anfang an und bereits zum Abholen mit dabei.
Vom Anhänger ging es direkt gemeinsam auf dieWiese, eine Stunde später gemeinsam von dort in den Stall.

Wer den Umgang mit rohen dreijährigen Pferden gewohnt ist weiss, wie anspruchsvoll eine solche Umstellung aus Jungpferdesicht ist..
Eine neue Umgebung und der Verlust der gewohnten Aufzuchtherde ist ein grosser Einschnitt für ein junges Pferd, ein echtes Trauma.
Ohne treibende Helfer und Stress funktioniert schon der erste Gang in die fremde neue Box nicht.
Sofortiges mentales Andocken an einen vertrauenerweckenden Artgenossen ist daher unbezahlbar. Für alle Beteiligten.

Ladybird folgte Silas vom Fleck weg überall hin und tut es noch heute.
So war es gedacht.

Täglicher Weidegang, die neue Umgebung erkunden, abwechslungreiche Ausritte als Handpferd nebenher, gemeinsames Traben und Galoppieren in der kleinen Halle, Vorbereitung zum ersten Longieren, tägliches Putzen, Hufegeben und betüddeln auf der Stallgasse - Silas ist immer an ihrer Seite.
Neben Silas steht sie auch ohne Anbinden mitten auf dem Putzplatz, beobachtet mit grossen Augen alles, was um sie herum vorgeht und hat keine Angst. Kein Stress.

Dank Silas hat das junge Pferdchen schnell gelernt, dass sie ein Mädchen ist. Silas tut, was er am besten kann, und gibt wie immer sein Bestes!
Für mich gibt es nichts schöneres, als die beiden gemeinsam bei ihrem Spiel auf der Wiese zu beobachten. Früh am Morgen im Licht der noch flach stehenden Sonne haben solche Szenen etwas zauberhaftes.


                                        



                                         




                                           



                                           

Ladybird ist noch eine echtes Baby, ganz so, wie ihre Mutter Bunny, als sie seinerzeit zum anreiten nach Münster kam. Aber nicht nur das.
Sie ähnelt ihrer Mutter in jeder Hinsicht, und das geht weit über das beeindruckende Hinterbein ihrer Mutter hinaus ... Takt, Antritt, Schub.
Damit hat sie schon beim ersten lockeren Handpferdetraben an Silas Seite um die Weiden herum für anerkennendes Aufsehen gesorgt und natürlich hat mich das gefreut!
Ganz und gar beeindruckt war ich aber, als ich von Stallkameraden angesprochen wurde, ob das Bunny sei, da bei Silas auf der Wiese?
Das Stütchen sah ihrer Mutter aus der Ferne in der Tat zum Verwechseln ähnlich ...


                      
                                                            Neunzehn Jahre jung: Stutenversteher Silas  -  Eine verdiente Hommage an ein grossartiges Pferd ...


26.4.2020

Mitunter geht es flotter als gedacht:

Nachdem das Kätzchen nach sieben Tagen in Münster noch immer Rosseverhalten zeigte und der Knoten auf der Wiese nur schwer aufzudröseln war, sobald Silas und das Stütchen morgens auf die Wiese gingen (anatomisch anspruchsvolle Zuneigungsbezeugungen in tiefster Gegenseitigkeit ...) habe ich am Donnerstag vorsichtshalber unsere Doktoressa gebeten, einmal in dem Pferdchen nach dem Rechten zu sehen - siehe da:
ein satter Follikel winkte uns entgegen!

Weshalb am Freitag ein ausgiebiger Besuch in Wettringen bei den Jungpferden anstand, nebst produktiver Samenkollekte.
Stutenfee Ingrid kam angereist und nahm die Besamung selber vor, wofür ich ihr herzlich dankbar bin. Ich habe nicht nur seit vier Jahren kein junges Pferd mehr angeritten - ich habe auch seit Jahren keine Stute mehr selber besamt.

Heute morgen früh um acht dann der sonntägliche Besuch vom besten Tierarzt-Team an der Ems, und wir hatten unsere gemeinsame Freude:
Ein satter Gelbkörper auf dem Ultraschall (nicht, dass ich ohne Brille viel gesehen hätte...), die Freude war bei allen Beteiligten gross.
Sollte dieser Schuss ein Treffer sein, war's ein echtes Gemeinschaftsprojekt! .. und ein Kind der Liebe aus Sicht des Stütchens dazu. Danke, Silas!  


18.5.2020


Einen guten Monat ist "das Kätzchen" jetzt in Münster und hat mich mit all ihren sensibel-schnurrenden Eigenheiten komplett von sich eingenommen.
Heute hab ich dann das erste Mal draufgesessen und bin so erleichtert, stolz und glücklich - Zeit für die Geschichte!

                                              

Als wir vor zwei Wochen erstmals aufsitzen üben wollten, ging das Pferdchen völlig unvermutet auf und davon.
Alles, was von hinten-oben kam (Sabine...) hat sie mit ängstlicher Flucht quittiert - auf der Stallgasse und auch in der Box.
Soetwas hatte ich nicht nur nicht erwartet, ich habe es auch noch nie erlebt und war selber ganz von der Rolle und ähnlich verstört wie das Pferdchen.
Es hat mir völlig den Schneid abgekauft und mich an meinem Konzept und Pferdeverstand zweifeln lassen.
Nicht gut, wenn man Ü50 ist und seit vier Jahren kein junges Pferd mehr angeritten hat.

Weshalb ich mir die Geschichten des Anreitens aller meiner Jungstuten auf dieserWebseite durchgelesen habe und das hätte ich besser nicht getan. Es trug nicht wirklich zu meiner Beruhigung bei. Weil ich in der Vergangenheit bereits nach drei bis fünf Tagen das erste Mal auf meinen jungen Stuten sass. Einfach, weil es sich spielerisch immer so ergab.

Die Sensibilität des Kätzchens für "oben und hinten" hatte ich völlig unterschätzt. Dass sie dafür überhaupt sensibel sein könne war mir nichteinmal bewusst. Regelmässiges aufsatteln war sie gewohnt und zog schon seit Wochen mit Sattel und Trense und auch ausgebunden in Bilderbuchanlehnung wie ein Uhrwerk ihre Bahnen, unkompliziert im Umgang und blitzeschnell im Lernen. Selbst das akustisch berauschende Thema "Eisenbahn" und Bahnübergang hat sie als Handpferd ruckzuck gelernt und wackelt heute nur noch mit dem Ohr, wenn die Bahn dicht an uns vorbeirauscht.

Auf ein "hinten-oben" Problem wäre ich nie gekommen.
Also alles nochmal zurück auf Los und ganz von vorn begonnen.

Not macht erfinderisch.
Putzen gab es fortan nur noch vom Hocker aus.
Als ich erstmals mit dem kleinen blauen Hocker anrückte, wurde ich mistrauisch beäugt. Der Impuls zur Flucht ging sichtbar durchs Pferd. Freistehend hätte sie dazu auch alle Möglichkeiten gehabt, das ist der Sinn des nicht-Angebundenseins bei allem, was ein junges Pferd verängstigen kann.
Also stückchenweises Annähern des Hockers von vorn und Stück für Stück ein bisschen dichter an die Pferdemitte rücken.
Die Hockerposition vom Hals hinter den Widerrist verschieben war eine kleine Herausforderung.
Es hat zwei Tage gedauert, bis sie mich auf Rückenhöhe neben sich stehen liess.
Dann konnte ich anfangen, das Pferd "von oben" und auf der jeweils anderen Seite zu putzen und mich dabei schon deutlich übers Pferd zu lehnen.

Viel Geduld und Spucke und reichlich Möhrchenschnipsel... Es dauerte nicht mehr lange, bis sie mir "auf der anderen Seite" das Köpfchen schon entgegenstreckte - weil von dort der Arm mit dem Möhrchenschnipsel kam...
Eine Woche später zog der etwas höhere weisse Hocker in unser Leben, der ebenso skeptisch beäugt und sehr bewusst als "neu!" wahrgenommen wurde.

"Oho! Noch grösser und höher!"
Der Argwohn wich diesmal jedoch sehr viel schneller der Akzeptanz, insbesondere, als es weiterhin über die jeweils andere Seite von hinten-oben Möhrenschnipsel ins Mäulchen gereicht gab. Jetzt konnte ich mich über das Pferdchen beugen und dabei auf der anderen Seite bis zum Bauch runter putzen und sie liess es sich gefallen.

                                                

Das ganze Spiel wiederholte sich regelmässig nach der Arbeit vor dem Absatteln.
Ähnlich wie seinerzeit Deauville longiert auch das Kätzchen sich selbst freilaufend in der kleinen Halle ohne Longe.
Sehr putzig.
Sie trabt auf Kommando ausgebunden in feinster Anlehnung aussen rum, galoppiert auf Kommando und wechselt die Hand auf Kommando.
Ignoriert man sie, während man in der Mitte steht, zieht sie das Programm eigenständig in allen drei Grundgangarten durch.
Wirklich putzig.
Nur anhalten kann man sie nicht.
Wenn man einmal einen Groschen eingeworfen hat läuft sie und läuft sie und läuft sie ... Völlig entspannt, und wechselt dabei die Grundgangarten nach eigenem Gusto.
Dann hilft nur der Gang zur Tür und stilles Warten.
In kleiner werdenden Kreisen nähert sie sich wie ein Indianer und schleicht sich schlängelnd an.
Diese Prozedere unterbricht man besser nicht.
Pferde sind Gewohnheitstiere. Dieses ganz besonders.
Bei Kontaktaufnahme gibt es dann natürlich wieder Möhrchenschnipsel.

Inzwischen habe ich gelernt, wie unendlich viele Möhrenschnipsel man aus einer einzigen Möhre schnipseln kann.
Es verhält sich damit ähnlich wie im Grundkurs Physik:
Wie weit kann man einen Wassertropfen teilen?
Die Antwort lautet: unendlich.

Weshalb ich mittlerweile Meister im möhrenschnipseln geworden bin (nicht dicker als ein 10Pfennig Stück), und stets einen Schnipselvorrat anlege, bevor ich das Pferdchen überhaupt aus der Box hole. Die Schnipsel müssen klein sein und flach, weil man sie sonst mit Trense und Gebiss im Maul nicht kauen kann.
Man entwickelt Expertisen, von denen man vorher gar nicht ahnte, dass es sie überhaupt gibt ...

Heute kam Philipp dann in der Halle dazu und war entzückt, wie eigenständig das Kätzchen in feinster Anlehnung durch ihr Programm schnurrt, immer schön die langen Seiten rauf und rum und keine unnatürlich belastende Longenkreisbahn. Auch von dem Indianerspiel mit der schlängelnden Annäherung war er sichtbar beeindruckt.
Zitat Sabrina: Man muss sich eben individuell auf jedes Pferd einstellen, ganz, wie das Pferdchen es eben fordert!
Da hat sie wohl Recht.
Man lernt mit jedem Pferd dazu.
Auch jenseits der 50 noch.
Und das ist dann doch fast schon wieder beruhigend.

Nach der Bewegungsarbeit geht es dann individuell weiter, das war heute abend nicht anders. Nur das Philipp erstmals seit zwei Wochen wieder mit von der Partie war und auf dem Sattelplatz vor dem Pferdchen stand.
Mittlerweile ist das dritte Hockermodell in Arbeit, ein klappbarer Tritt, der mich so hoch neben das Pferd bringt, dass ich problemlos über dem Sattel liegen kann.
Von der rechten Seite geht es über dem Pferd deutlich besser als von links.
Weshalb ich mich nach der Arbeit stets vom Tritthocker von der rechten Seite auf das gesattelte Pferd drüberbeuge. Allein und in Ruhe, nur die Kappe ist mein steter Begleiter. Tatsächlich ist der Hocker so hoch, dass ich mich auch bequem umdrehen und in aufrechter Position in den Sattel lehnen kann, ähnlich wie im Damensitz.

Man muss schon etwas verrückt sein.
Aber der Zweck heiligt die Mittel und das Pferdchen steht vertrauensvoll neben dem Tritthocker. Köpfchen rechts, Köpfchen links, man ahnt es schon - je nachdem aus welcher Richtung die Möhrchenschnipsel von oben angereicht werden ...
So hat sie in zwei Wochen gelernt, dass Wegrennen unnötig ist und akzeptiert den Menschen über ihrem Rücken.
Vertrauen hält sie sicherer als jeder Strick.
Mein grösster Stolz!

Das ist nun nicht das klassische Anreiten nach FN und allen bewährten Lehren.
Wahrlich nicht.
Aber es funktioniert.
Philipp war beeindruckt wie ruhig und selbstverständlich sie all das mit sich machen lässt.
Kein Vergleich zu dem wuschen Davonbrausen noch vor zwei Wochen.
Ich hätte es selber nicht für möglich gehalten.
Allein.
Ruhe.
Geduld und Spucke.
... und ganze Spardosen voller zehnpfenniggrosser Möhrchenschnipsel.

                                                

Mit Philipp am Pferdekopf habe ich mich nun erstmals richtig in den Sattel gesetzt.
Von rechts. Und wir waren beide gespannt, ob sie reagieren würde, wenn ich erstmals auch das Bein über den Rücken hebe und langsam aus dem Darüberlegen in den Sattel rutsche. Nichts passierte.
Im Sattel Platz nehmen und erstmals richtig Aufsetzen. Nichts passierte.
Ich sass das erste Mal auf dem Pferdchen und Philipp fütterte Möhrchenschnipsel.
"Alles gut! Entspann dich! Die ruht sogar auf dem Hinterbein und hat gar nicht auf dein Aufsetzen reagiert, die ist nur auf ihre Möhrchenschnipsel aus..."

Ich war beruhigt.
Langsam wieder runterrutschen, das ganze nochmal und dann auch mal von der "richtigen" Seite vorsichtig von links aufs Pferd geklettert.
Geht auch.
Entspannt.
Aber von rechts ist es eben noch entspannter.
Komperativ.
Und wir wollen komperativ.
Weshalb dies wohl das erste Pferd in der Geschichte sein wird, auf das man von rechts aufsteigt.
Man muss sich eben individuell auf sein Pferd einstellen, ganz, wie das Pferdchen es eben fordert.
Man lernt einfach immer dazu.

Es folgten die ersten zögerlichen Schritte unter dem Sattel die Stallgasse rauf und runter, das Pferdeköpfchen dicht an Philipps Hosentasche.
Für mich war es der schönste Ritt überhaupt. Das erste Mal auf dem eigenen dreijährigen Pferd, nach so einer Vorgeschichte ...
Das sind sie, die Dinge die mich ticken machen.



21.5.2020

Drei Tage später, und wir entwickeln Routine!

Ich hatte Carmen gefragt, ob sie in Philipps Abwesenheit vielleicht einmal "den Philipp" geben und mir beim aufsitzen helfen könne?
Carmen sagte sogleich gern zu, sie hat selber Spass daran und wir erinnerten uns beide noch gern daran zurück, wie sie schon seinerzeit bei Deauville regelmässig nach Feierabend auf der Stallgasse "Pate stand" beim aufsitzen üben.

Nachdem wir gesten abend bereits das erste Mal gemeinsam geübt hatten und beide erfreut und erleichtert waren, wie gut das ging, bot Carmen gleich von sich aus an den Feiertag zu nutzen und weiter zu machen. Ich war hell erfreut und es sollte ein echter Feiertag werden!

Nachdem ich morgens bereits Deauville und Sophia besucht hatte und mittags Bunny und Greta in der Westfälischen Reit-.und Fahrschule erleben durfte, war dies nun also mein drittes Fuchs-Highlight an diesem Tag.

Wir waren noch in der Halle und absolvierten gerade gemeinsam unsere finale Schrittrunde als Carmen dazukam. Ob sie denn das Pferdchen auch einmal traben sehen dürfe - ?
Natürlich!
"Teeerrrab!" und das Kätzchen trabte lässig los in feinster Anlehnung, Takt und abfussen.
"Oh!", sagte Carmen. "Die ist aber wirklich elastisch ...!"
Breites Grinsen... Bunny-Zwei.
Und es ging mir einfach runter wie Butter.
Zu dritt beschlossen wir unsere Halleneinheit und machten uns auf den Weg auf die Stallgasse.  

Diesmal hatte Carmen strikte Order beim Führen darauf zu achten, dass das Pferdchen aufmerksam neben ihr herschritt und nicht einfach nur bummelnd den Kopf in ihrer Hosentasche mit den Möhrchenschnitzen versenkte.... Wir mussten beide lachen, aber irgendwie sollte die Sache ja auch Sinn und Verstand haben. Aufsitzen und oben bleiben reicht nicht. Das Kätzchen sollte schon begreifen, dass sie mit einem Reiter auf dem Rücken die Stallgasse rauf und runter marschiert.
Weshalb Carmen das Pferdchen energisch beim Köpfchen nahm und ein paar mal "Halt!" und "Geh!" mit Ansage und Körpersprache übte, frei nach Linda Tellington Jones und wir mussten schon wieder lachen.

Aufsitzen von rechts, mitten auf dem Putzplatz und weit weg von jeder Wand, zufrieden entspanntes Pferd und ich entwickelte mittlerweile Routine im konzentrierten Darüberlegen und langsam im Sattel aufrichten. Man staunt was alles geht, auch im hohen Alter noch...

Ein paar Schritte die Stallgasse rauf und runter und plötzliches Erschrecken, von hinten tönte hektischer Krallenschlag auf hartem Pflaster, der Hund kam unvermutet angeflitzt und brachte das Kätzchen aus der Fassung und mich dazu! Das Pferd tat einen Satz nach vorn und mir rutschte bereits das Herz in die Hose ... "Wenn sie jetzt losbockt war es gut, dass ich meine Unfallversicherung noch nicht gekündigt hatte", (man wundert sich wirklich, was für Gedanken einem in Krisensituationen so durch den Kopf schiessen...)
Carmen hatte das Pferdchen gut in Griff und mittlerweile war der Hund bei uns angekommen. Statt Bocken gab es eine freundlich-neugierige Begrüssung von Nase zu Nase und mein Herz trat den Weg aus der Hose zurück an seinen Platz an. "Hund" hatten wir zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht eingeplant, aber wenn er schonmal dabei war, konnten wir ihn auch gleich mit einbauen.

Weshalb wir die nächsten beiden Runden auf der Stallgasse zu dritt mit dem freudig schwanzwedelnden Hund und einem stets neugierig nach unten nach dem Rechten schauenden Pferd absolvierten und siehe da:
auch das war kein Problem!
Ich rutschte strahlend aus dem Sattel und war durch und durch beseelt. Was für ein Tag!
"Eigentlich fehlt dir jetzt nur noch ein Stück Marzipancremetorte und dann hast du deinen ganz perfekten Feiertag?",  grinste Carmen mich fröhlich an.
Was für eine brilliante Idee!
Immer schön wenn man Freunde hat, die wissen was gefällt ...

Mit einem Stück Marzipancremetorte beschloss ich den Tag auf dem Balkon und feierte mein dreifaches fuchsfarbenes Highlight - besser konnte es einfach nicht mehr werden! Sattes Glück, im wahrsten Sinne des Wortes.

 


 zurück